Der Arbeitsmarkt profitiert erheblich vom Fußball

Beträchtliche Auswirkungen hat der Fußball vor allem für den Arbeitsmarkt. Wie eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2015 belegt, produziert der Spielbetrieb der Deutschen Fußball Liga mit ihren Profi-Ligen hierzulande umgerechnet 110.000 Vollzeitjobs. Rechnerisch verteilen sich diese Arbeitsstellen auf insgesamt 165.000 Personen. Im Vergleich zum Jahr 2008 ist das eine Steigerung um 40.000 Stellen. Auch in der volkswirtschaftlichen Kenngröße Wertschöpfung verzeichnet die Branche einen wahren Boom. 2014 generierte der Profi-Fußball in Deutschland einen Umsatz von satten 7,9 Milliarden Euro, was gegenüber 2008 eine Steigerung von 55 Prozent bedeutet. Damit ist die Fußball-Branche zehnmal stärker als die deutsche Wirtschaft insgesamt gewachsen. Mit 4,5 Milliarden Euro entfällt der Großteil der Wertschöpfung auf indirekte Effekte, Vermarkter, Zulieferer und andere Unternehmen, die vom Fußballkonsum profitieren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Fußballs gleicht einer mittleren Großstadt in Deutschland. Der Anteil am gesamten BIP betrug laut Studie 0,3 Prozent. Damit trägt der Profi-Fußball in Deutschland mehr zum BIP bei als beispielsweise die Textil- und Modebranche oder der zivile Luftverkehr. 

Gigantische Einnahmen für den Staat

Nutznießer der wirtschaftlichen Stärke des Fußballs ist vor allem der deutsche Staat. Nach Abzug aller Kosten nimmt die Bundesrepublik mit dem Sport insgesamt 2,3 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben pro Jahr ein. Zu den wichtigsten Wertschöpfungsquellen des Fußballs zählen Einnahmen von Mediennutzungsrechten (zum Beispiel durch TV-Stationen), Ticketverkäufen, Merchandising-Artikeln und Sponsoring. Dank dieser breiten wirtschaftlichen Basis sei der Fußball „gegenüber Schwankungen in einzelnen Bereichen wenig anfällig“, sagt Thomas Netzer, Autor der McKinsey-Studie. Die Potenz des Fußballs hat neben dem Profit für den Bund auch einen großen Wirtschaftsnutzen für einzelne Städte der Republik. 

Fußballklubs sind gut fürs Image der Stadt

Nicht nur die Fußballklubs profitieren von den Fans, die die Stadien besuchen. Auch die Stadt selbst zieht einen Nutzen daraus, denn Anhänger verbinden ihren Stadionbesuch oft mit weiteren Freizeitaktivitäten in der Stadt. Dies erhöht auch den Bedarf an zusätzlichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Hinzu kommt der national und international wachsende Bekanntheitsgrad. Städte wie Leverkusen oder Kaiserslautern haben ihre Popularität nicht zuletzt dem Fußball zu verdanken. Wie eine Studie des „Institute for Sports, Business and Society“ belegt, müsste eine Stadt wie Leverkusen etwa 2,2 Millionen Werbeanzeigen oder Spots schalten, um einen ähnlichen Werbewert zu bekommen, den sie durch den Fußball erhält. Es ist also für jede Stadt lukrativ, einen Profifußballverein zu beheimaten. 

Millionen-Einnahmen durch Vergabe der Namensrechte

Auch Stadien wirken sich positiv auf das Image einer Stadt aus. Arenen wie die Allianz Arena in München werden zu Wahrzeichen und locken mit Führungen zusätzliche Besucher an. Zudem ist das Geschäft mit den Namensrechten für Stadien extrem reizvoll. Die Vereinskassen werden nicht nur durch Sponsoren auf den Trikots oder Werbebanden gefüllt, sondern vor allem auch dank ihrer Namenspartner. Durchschnittlich kassiert jeder Bundesliga-Verein pro Jahr 2,5 Millionen Euro dafür, dass sein Stadion einen Werbe- bzw. Markennamen trägt. Vom kommunikativen Gegenwert versprechen sich die Namenssponsoren beträchtliche Effekte – beispielsweise durch Nennungen in Medien. Vor allem Versicherungen und Banken (Allianz, Signal Iduna, Commerzbank) sind typische Namensgeber für Arenen. 

Großturniere wie EM und WM ziehen wirtschaftlich weite Kreise

Bereits das „tägliche Fußballgeschäft“ beschert vielen Industriezweigen gigantische Umsätze. Daneben zahlen sich besonders auch Mega-Events wie eine Fußball-Europa- oder -Weltmeisterschaft buchstäblich aus. Oft werden im Zuge der Ausrichtung einer EM oder WM nicht nur die Spielstätten selbst gebaut oder modernisiert, auch die Infrastruktur profitiert in der Regel davon. So hat der Neubau der Münchner Allianz Arena vor der WM 2006 auch die Erweiterung der Autobahn, die Nachrüstung der U-Bahn-Linie und den Neubau von Messehallen für ein Medienzentrum nach sich gezogen. Auch in Gelsenkirchen entstand so ein neuer Hauptbahnhof. Für Bauunternehmen ergaben sich damit zahlreiche Aufträge mit erheblichem Umsatzvolumen – bedingt durch das Fußballgeschäft. 

Von einem Großereignis wie einer WM profitieren neben dem Verband des ausrichtenden Landes – der DFB feierte 2006 einen Überschuss von 135 Millionen Euro – vor allem auch die Sponsoren wie Sportartikelhersteller oder Brauereien. Hauptsponsor Adidas beispielsweise steigerte seinen Gewinn 2006 um 26 Prozent auf über 480 Millionen Euro. Im WM-Fieber gingen unzählige Merchandising-Artikel über die Ladentheke. Bitburger – einziger Bier-Anbieter in den WM-Stadien 2006 – verzeichnete während des „Sommermärchens“ einen Absatzzuwachs von 2,6 Prozent. 

Dass sich ein Großevent jedoch nicht immer unmittelbar als Positivgeschäft für einen Ausrichter darstellt, zeigt das aktuelle Beispiel der bevorstehenden Europameisterschaft in Frankreich. Auf dem Papier beschert die EURO 2016 dem Gastgeber ein Minus von etwa einer halben Milliarde Euro. Den zu erwarteten Ticket-Einnahmen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro stehen Kosten für Bau und Modernisierung der Stadien von 1,6 Milliarden Euro gegenüber. Immerhin darf sich Frankreich auf Mehrwertsteuer-Einnahmen von fast 180 Millionen Euro freuen. Darüber hinaus verspricht sich das Land positive Effekte für den Arbeitsmarkt durch die EM. Laut Angaben des EM-Organisationskomitees entstehen pro Spiel durchschnittlich 4.000 Arbeitsplätze. Während des Turniers bestehe ein Bedarf von zusätzlich 100.000 Stellen. 

Fußball hat mehr Fans als nur die Stadionbesucher allein

Fußball ist also nicht nur ein Spiel, bei dem 22 Sportler einem Ball hinterherjagen. Der Sport ist für die Volkswirtschaft eines Landes ein Wachstumsmotor, der weite Kreise zieht. Von der Wertschöpfungskette der Fußball-Industrie profitieren zahlreiche Anspruchsgruppen. Umsätze in Milliardenhöhe werden durch Lizenzen, Medien, Merchandising, Sponsoring und Ticketing generiert. Nicht zuletzt sind die Verbände sowie der Staat Nutznießer der Einnahmen und Abgaben. Auch die Städte, die Werbebranche und Bauunternehmen profitieren von der Wirtschaftsmacht Fußball.