Lebensmittelhandel

Lebensmittel

Lebensmittelhandel: Qualität wichtiger als Preis?

Wussten Sie, dass Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten Lebensmittelpreisen in Europa zählt? Nur in den Krisenstaaten Griechenland, Spanien und Portugal sowie in den östlichen Mitgliedsstaaten zahlen Verbraucher noch weniger. Allerdings sind in Ländern wie Polen oder Ungarn die niedrigen Lebensmittelpreise den allgemein geringen Lebenshaltungskosten geschuldet. In Deutschland dagegen hält der scharfe Wettbewerb zwischen den Discountanbietern die Preise gedrückt. Lebensmittelhersteller haben es schwer, eine Nische zu finden. Zwischen Gourmetqualität und Discountware scheint im Handel ein Vakuum zu bestehen. 

Hauptsache billig?

Verbraucher in Deutschland sind niedrige Preise gewöhnt. Der jahrelange Preiskampf hat die Käufer geradezu auf günstige Angebote konditioniert. Viele Kunden verzichten bewusst auf Markenware, da die Eigenmarken der Handelsketten eine gleichwertige Qualität zum kleinen Preis versprechen. Laut Angaben des Statistikportals Statista haben Handelsmarken in Deutschland einen Marktanteil von 41,3 %. Im SB-Bereich der gelben Linie, also der Verkaufsfläche von überwiegend Käseprodukten, stellen No-Name-Produkte mit 59,7 % den Löwenanteil. Doch Preise können nicht unendlich fallen. Die Lebensmittelhersteller benötigen dringend Alleinstellungsmerkmale, die die Kunden zum Kauf höherpreisiger Produkte animieren. Laut Statista sind zumindest 44,9 % der Verbraucher bei einzelnen Produkten auf bestimmte Marken festgelegt. 

Qualität ist gefragt

In den letzten Jahren zeichnet sich der Trend ab, dass Lebensmittel unter bestimmten Voraussetzungen mehr kosten dürfen. Verbraucher wünschen sich eine höhere Qualität. Gleichzeitig ist ihnen wichtig, dass die Lebensmittel nachhaltig produziert werden. Nachhaltigkeit darf den Preis erhöhen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie Consumers' Choice, die die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) zusammen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) veröffentlicht hat. Aus Gründen der Nachhaltigkeit möchten sich kaum Verbraucher einschränken. Sie geben diese Verantwortung an die Hersteller weiter und sind bereit, dafür zu zahlen. 

Vertrauensbildende Maßnahmen zahlen sich aus

Nach den Ergebnissen des Edelmann Trust Barometers haben die deutschen Verbraucher nur wenig Vertrauen in die Lebensmittelindustrie. Aktuell vertrauen nur noch 55 % der Befragten den Unternehmen. Das größte Vertrauen genießt die Landwirtschaft, die größten Zweifel hegen die Kunden gegenüber der Fast-Food-Branche. Die gute Nachricht ist, dass die meisten der Umfrageteilnehmer zu den sogenannten Swing Trusters gehören. Dabei handelt es sich um neutral bis leicht positiv gestimmte Personen. Die Gruppe dieser Konsumenten bietet der Lebensmittelwirtschaft beste Chancen zur Entwicklung. Ebenfalls interessant ist das Ergebnis, dass das Vertrauen der Verbraucher in eine bestimmte Branche sich nicht automatisch auf Unternehmen in diesem Bereich überträgt. 

Siegel als Qualitätsmerkmal?

Viele Unternehmen versehen ihre Produkte mit Qualitätssiegeln, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Eine Studie die Fachhochschule Münster zeigt, dass es bei der Akzeptanz der verschiedenen Siegel große Unterschiede gibt. Rund 90 % aller Verbraucher kennen das EG-Bio-Siegel, 82 % können das Siegel der Stiftung Warentest einordnen, die DLG-Plakette ist noch 75 % ein Begriff. Dagegen kennen nur 13 % der Kunden Siegel, die die geschützte geografische Angabe repräsentieren. Regionale Spezialitäten und Gourmetprodukte sollten also durchaus anders beworben werden. Hier erreichen die Siegel kaum Effekte. Das ist bei den Bio- und Fair-Trade-Symbolen ganz anders. Sie suggerieren den meisten Kunden eine gute Qualität und animieren zum bedenkenlosen Zugreifen. 

Die Zukunft der Lebensmittelwirtschaft

Die als besonders preisbewusst bekannten deutschen Verbraucher sind bereit, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben. Die Tendenz, sich im täglichen Umfeld präsentieren zu müssen, prägt auch den Lebensmitteleinkauf. Gewinnermarken profitieren von dieser Entwicklung. Sie locken die Kunden außer mit einer ausgezeichneten Qualität auch mit einem erweiterten, kohärenten Qualitätsversprechen. Ökologische und soziale Aspekte spielen eine ebenso große Rolle. Immer mehr Verbraucher entscheiden sich für einen bewussten Konsum und erwarten von ihren Lebensmitteln die Verbindung von Erlebnis, Genuss und Ethik. In diesem Spannungsfeld sind die größten Wachstumsraten zu erzielen. 

Zielgruppen definieren und bewusst ansprechen

Trotz des harten Preiskampfs auf dem Lebensmittelmarkt bieten sich der Industrie viele Chancen, ihre Produkte zu etablieren. Ein verlässliches und vertrauenswürdiges Image gehört ebenso zu einer erfolgreichen Marke wie die gute Produktqualität. Für fair gehandelte, nachhaltig angebaute Produkte, für Bioqualität und regionale Lebensmittel zahlen Kunden gerne mehr. Die steigenden Löhne bei gleichzeitig schlechten Bedingungen für Sparer heizen die Kauflaune an. Viele Kunden möchten sich wieder etwas gönnen und greifen zu Gourmetprodukten. Auch die zahlreichen Kochsendungen mit prominenten Sternegastronomen fördern den Trend zu mehr Qualität. Wenn Sie als Hersteller die richtigen Kaufanreize setzen, greifen die Kunden auch bei höheren Preisen gerne zu. Hier finden Sie Anbieter für hochwertige Rohstoffe für die Nahrungsmittelindustrie ebenso wie für innovative und praktische Lebensmittelverpackungen.

 Zurück zur Übersicht