Software Made in Germany

Digitalisierung des Mittelstandes

Software "Made in Germany" ist ein internationaler Exportschlager

Die Dampfmaschine machte die Briten einst zur führenden Wirtschaftsnation der Welt. Kaum 200 Jahre später stehen wir am Beginn eines neuen Zeitalters – Software und IT sind der "Maschinenbau" des 21. Jahrhunderts und Schlüssel zu mehr Produktivität. Die gute Nachricht: Deutschland hat in der Software-Entwicklung eine weltweite Spitzenposition – das Land ist "viertgrößter Exporteur von Software- und IT-Dienstleistungen" stellt das Fraunhofer Institut für System- und Innovations-Forschung (ISI) in seiner Kurzstudie 'Die Softwareindustrie in Deutschland' fest. Wir stellen Ihnen die fünf größten deutschen Software-Unternehmen vor. 

SAP – der Gigant aus Walldorf

Die SAP AG markiert die einsame Spitze deutscher Software-Hersteller: 16,8 Milliarden Euro Jahresumsatz erzielte der deutsche Software-Riese im Jahr 2013. Damit machen die Walldorfer mehr als fünfmal so viel Umsatz wie alle neun nach folgenden Top-Unternehmen zusammen auf der "Lünendonk-Liste". Wie stark die Deutschen auch international positioniert sind, zeigt ein Blick auf die europäischen Top 100. In diesem Ranking repräsentiert SAP allein 40 Prozent der Gesamtumsätze, während alle deutschen Software-Unternehmen insgesamt 50 Prozent ausmachen. Selbst ohne SAP würden diese Hersteller noch europaweit hinter Großbritannien auf Platz zwei rangieren. 

Hintergrund: SAP revolutionierte einst das Feld der Unternehmens-Software mit ihren Lösungen SAP R/2 und R/3. Mit dieser Standard-Software gelang es, Buchführung, Controlling, Vertrieb, Einkauf, Lagerhaltung, Produktion und das Personalwesen auf einer Oberfläche zusammenzufassen. Für kleine und mittlere Unternehmen bietet SAP mit Business One eine Standard-Software, die neben Produktionsplanung und -steuerung auch um Funktionen für das CRM, das Projektmanagement oder das Erstellen von Web-Shops erweitert werden kann. 

Die R-Software ist im Frühjahr 2015 mit S/4HANA (HANA steht für eine schnelle Datenbank-Technologie) in die vierte Generation gestartet und auf Erfolgskurs: Zum Ende des dritten Quartals 2015 hatten schon 1300 der rund 300.000 R/3-Kunden auf die zukunftssichere Technologie umgestellt.

Software AG – Technologie für die digitalisierte Behörde

Neben zahlreichen Lösungen für Industrie, Handel oder auch die Energiewirtschaft modernisiert die Software AG in Darmstadt die öffentliche Verwaltung mit ihrer digitalen Behördenplattform. Unter dem Stichwort "E-Government" beschleunigt die Software die Verwaltung und verkürzt Bearbeitungszeiten in Behörden. Elektronische Formulare machen aufwendige Korrespondenz überflüssig. E-Government ermöglicht Bürgern die Antragstellung per Internet. Das ist zum einen bürgerfreundlich und steigert zum anderen die Effizienz der Verwaltung.

Außerdem ist die Software AG auch im Bereich der öffentlichen Sicherheit tätig. Moderne IT-Systeme unterstützen die polizeiliche Gefahrenabwehr. Lösungen im Segment "Border Control" helfen durch Automatisierung, Überwachung und Steuerung von Kontrollprozessen, die Außengrenzen zu schützen. Die Software AG erzielte 2014 mit ihren Programmen und Dienstleistungen einen Umsatz von 927,7 Millionen Euro. 

DATEV – der schnelle Weg zur Steuerberatung

Die eingetragene Genossenschaft DATEV in Nürnberg gründete sich einst als Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwälte. Als Service-Unternehmen übernahm DATEV die EDV-Buchhaltung ihrer Kunden. Ihr namensgleiches Spitzenprodukt gehört längst zum Umfang leistungsfähiger Unternehmens-Software. Die Software DATEV hat die früher vorgeschriebene Papierform ersetzt und ermöglicht den rechtssicheren und anerkannten Export von Buchhaltungsdaten an den Steuerberater oder den Wirtschaftsprüfer.

Längst hat die DATEV ihr Portfolio auch auf IT-Dienstleistungen für die Mandanten ihrer Mitglieder ausgebaut. Das sind nicht nur Unternehmen, sondern auch Kommunen, Vereine oder Institutionen. Mit einem Jahresumsatz von 803 Millionen Euro ist die Genossenschaft die Nummer drei unter den deutschen Software-Unternehmen. 

CompuGroup Medical – Online-Services für Ärzte und Patienten

Die CompuGroup Medical AG (CGM) in Koblenz ist der führende Anbieter von IT-Dienstleistungen in der Gesundheitsbranche. Mit über 400.000 Kunden in 40 Ländern erzielt das Unternehmen einen Umsatz von 460 Millionen Euro. CGM entwickelt und betreibt in der Hauptsache Informationsdienste für Ärzte, Apotheken und Kliniken. Solche Systeme beschleunigen den Wissenstransfer im Gesundheitswesen. Auch Patienten profitieren mit dem Segment der eServices von der digitalen Technologie. So ist etwa eRezept eine Online-Lösung, um Rezepte nachzubestellen. Mit eBefund kann ein Patient vom heimischen Rechner aus seine Befunde auf einem geschützten Teil der Webseite des Arztes einsehen, ausdrucken und auch auf dem eigenen Rechner abspeichern.

Nemetschek AG – Meilensteine der Architektur

Georg Nemetschek schrieb 1980 mit der Erfindung des Computer Aided Engineering (CAE) Architektur-Geschichte. Auf der CeBit präsentierte er eine Software, mit der es erstmals möglich war, Standardbauteile zu berechnen und zu konstruieren. Bis heute ist die Nemetschek AG in München führender Anbieter von Software für Architekten, Ingenieure und die Bauindustrie. 

Mit Nemetschek-Software wurden Bauten wie die Dependance des Pariser Centre Pompidou in Metz geplant, der Citygate Tower in Wien oder auch die Brücke über den Panama-Kanal. Das bekannteste Produkt des Hauses, die CAD-Software Allplan, nutzen schon Studenten. Mit 1,8 Millionen Software-Nutzern in 142 Ländern erzielt die Nemetschek AG einen Jahresumsatz von 185,9 Millionen Euro. 

Software ist der Schlüssel zu Wachstum und CO2-Reduktion

Die wachsenden Umsätze der größten Software-Unternehmen sind ein Beleg für einen Zeitenwandel in der Wirtschaft. Die Branchen mit der höchsten Software-Intensität waren in den vergangenen Jahren im Durschnitt die produktivsten Betriebe in Deutschland. Die eingangs erwähnte Fraunhofer-Studie kommt auch zu dem Schluss, dass die derzeitigen Investitionen in Infrastruktur ohne begleitende Investition in Software-Konzepte "ohne Ertrag" bleiben werden. Zum Beispiel in der Ökologie: Die UN-Klimaschutzkonferenz in Paris hat jüngst die massive Reduzierung von Treibhausgasen beschlossen. Das ist ohne intelligente Energienetze, die auf neue Anforderungen flexibel reagieren, aber nicht zu stemmen. Software "Made in Germany" könnte bei dieser weltweiten Aufgabe eine Führungsrolle übernehmen.

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