Minimierung der Durchlaufzeit – warum eigentlich? 

Lange Durchlaufzeiten wirken sich für Unternehmen nahezu immer negativ aus – und das auf vielfältige Weise. So erschweren sie beispielsweise ein zeitnahes Reagieren auf Marktveränderungen, binden Kapital und treiben die Lieferzeiten in die Höhe. Kurz gesagt: Lange Durchlaufzeiten sind ein ernst zu nehmender Wettbewerbsnachteil. Eine Reduzierung der Durchlaufzeit ist folglich mit einer Erhöhung der Produktivität verbunden. Ein Zitat von Taiichi Ohno, Erfinder des Toyota-Produktionssystems, bringt den Anspruch von Unternehmen auf den Punkt: "Alles, was wir tun, ist, auf die Durchlaufzeit zu achten von dem Moment, in dem wir einen Kundenauftrag erhalten, bis zu dem Moment, in dem wir das Geld in Empfang nehmen. Wir verkürzen die Durchlaufzeit, indem wir alle Bestandteile eliminieren, die keinen Mehrwert für den Kunden erzeugen." 

Das Just-in-time-Prinzip

Optimierung von Durchlaufzeiten dank Just-in-time-Strategien 

Einer der viel versprechendsten Wege, die Durchlaufzeit zu optimieren, ist eng mit der sogenannten Just-in-time-Produktion verbunden. Heruntergebrochen bedeutet just in time, dass notwendiges Material entlang sämtlicher Punkte der Lieferkette so termingetreu verfügbar ist, dass es gerade noch rechtzeitig an der nächsten Station der Fertigungs- bzw. Lieferkette ankommt. Die positiven Folgen: Die Durchlaufzeit sinkt, Lager werden weitestgehend obsolet, und die Kapitalbindung wird verringert. 

Voraussetzungen einer Just-in-time-Produktion 

Nichtsdestotrotz: Just-in-time-Strategien eignen sich nicht für jede Branche und Unternehmensstruktur gleichermaßen. So sollten unter anderem die folgende Bedingungen erfüllt sein, damit sinnvoll mit Just-in-time-Methoden gearbeitet werden kann:

  • Geringe Bedarfsschwankungen: Um eine Just-in-time-Produktion zu ermöglichen und ungenutzte Zeitfenster zu vermeiden, sollte der Bedarf relativ konstant sein.
  • Konstante Durchlaufzeit: Es muss sichergestellt werden können, dass auch die Durchlaufzeit weitestgehend konstant bleibt. Anderenfalls kommt es an Stellen des Produktionsprozesses zu Staus bzw. Engpässen, was sich auf die gesamte Produktion auswirkt und mit hohen Kosten verbunden ist.
  • Geringe Rüstzeiten: Rüstzeiten sollten gering ausfallen – alles andere würde Zeitpuffer notwendig machen.
  • Hohe Qualitätssicherung: Eine hervorragende Ausfallsicherheit und Termintreue sind für die Just-in-time-Produktion unabdingbar. Materialfehler entlang des Prozesses lassen sich nur unter hohem Aufwand und erheblichen Kosten beheben.
  • Keine Vorteile durch Auftragsbündelung: Sinnvoll ist eine Just-in-time-Strategie nur dann, wenn durch Auftragsbündelungen keine deutlichen Kosteneinsparungen erreicht werden können.  

Möglichkeiten der Durchlaufzeitminimierung jenseits des Just-in-time-Prinzips 

Dass die Just-in-time-Produktion im Logistikbereich an Bedeutung verloren hat, lässt sich so pauschal nicht feststellen. Dennoch hat sie sich in einer allzu starren Form in vielen Branchen – meist infolge eines zu hohen Kostenaufwands – nicht bewährt. Allerdings gibt es auch abseits von Just-in-time-Prozessen eine Reihe vielversprechender Möglichkeiten zur Reduzierung der Durchlaufzeit. Insbesondere die folgenden Maßnahmen haben sich als sinnvoll erwiesen:

  • Störungen beseitigen: Durch die Beseitigung häufiger Störungen entlang der Auftragskette lässt sich die Durchlaufzeit wesentlich reduzieren.
  • Prozessvereinfachung: Auch eine Vereinfachung von Verfahren – etwa durch eine Produktionsumstellung – sorgt für eine Minimierung der Durchlaufzeit.
  • Standardisierung und Synchronisierung: Sind die wesentlichen Stör- und Fehlerquellen beseitigt worden, gilt es, die Produktion so weit wie möglich zu standardisieren, um Durchlaufzeiten zu reduzieren. Auch eine Optimierung der Synchronisation der einzelnen Leistungsstellen macht sich in Form sinkender Durchlaufzeiten bezahlt.
  • Geschwindigkeit erhöhen: Eine Beschleunigung der Auftragsbearbeitung, wie sie beispielsweise durch eine Investition in schnellere Maschinen erreicht werden kann, führt in der Regel ebenfalls zu einer Reduzierung der Durchlaufzeit.
  • Aufträge parallel bearbeiten: Soweit möglich, können Aufträge zudem parallel bearbeitet werden, um die Durchlaufzeit zu beschleunigen.
  • Kapazitätserhöhung: In Zeiten hoher Belastungen ist nicht zuletzt auch die Erhöhung der Kapazität eines Arbeitsplatzes eine Möglichkeit, Durchlaufzeiten kurzfristig zu erhöhen.

Eine Minimierung der Durchlaufzeit zahlt sich aus

Eine Durchlaufzeitminimierung ist nicht nur mit Kosteneinsparungen verbunden, sondern stellt aus vielerlei Gründen – schnelle Lieferzeiten, geringe Kapitalbindung etc. – einen klaren Wettbewerbsvorteil dar. Ob und inwieweit sie durch Just-in-time-Prozesse verwirklicht werden kann, hängt dabei stark von der jeweiligen Unternehmensstruktur und Branche ab. Aber auch abseits von Just-in-time-Strategien stehen Unternehmen vielfältige Möglichkeiten zur Reduzierung der Durchlaufzeit zur Verfügung.