Lieferantenbewertung im Zuge des Qualitätsmanagements

Zum Qualitätsmanagement zählen verschiedene Prozesse, die aufgezeichnet und bewertet, manchmal in Folge der Auswertung auch optimiert werden. Die Bewertung von Lieferanten gehört laut DIN EN ISO unbedingt dazu. Durch die Lieferantenbewertung wird für Unternehmen die Qualität der Fähigkeiten ihrer Zulieferer transparenter. Hier können verschiedene Lieferanten bequem einander gegenübergestellt oder anhand unterschiedlicher Kriterien beurteilt werden. Die objektive Bewertung steht dabei im Fokus, außerdem sollen mögliche Schwachstellen erkannt und gezielte Maßnahmen zur Verbesserung entwickelt werden.

Kriterien zur Beurteilung: Nicht vorgeschrieben, aber oft ähnlich

Für die Bewertung der Lieferanten kommen verschiedene Kriterien in Frage, die nicht von der DIN EN ISO 9001 vorgeschrieben werden. Sie hängen von dem jeweiligen Unternehmen und den Prioritäten ab, die dort bestehen. In der Regel werden folgende Kriterien genauer definiert:

  • Preis- und Zahlungskonditionen
  • Qualität der gelieferten Rohstoffe/Produkte
  • Häufigkeit möglicher Fehler oder Verzögerungen
  • allgemeine Zuverlässigkeit

Zur Zuverlässigkeit gehören die Einhaltung von vereinbarten Lieferterminen und das Risiko eines Lieferausfalls, außerdem die Nachhaltigkeit der Verpackungen und die Flexibilität. Ein weiteres Kriterium, das im Zuge der Lieferantenbewertung wichtig sein kann, ist die Verfügbarkeit des Zulieferers. Diese kann sich beispielsweise durch die Nähe des Standortes zur belieferten Firma oder durch verschiedene, breit gefächerte Niederlassungen definieren.

Ziele und Nutzen der Lieferantenbewertung

Als erstes Ziel der Lieferantenbewertung gilt die Optimierung des Zulieferprozesses. Die Leistung der Lieferanten kann so regelmäßig geprüft und transparent in Form einer Tabelle oder eines Fragebogens dargelegt werden. Schwachstellen werden auf einen Blick ersichtlich, Lösungen zur Vermeidung von Fehlern zeigen sich klarer – ein weiteres Ziel der Lieferantenbewertung.

Außerdem kann die Lieferantenbeziehung durch eine regelmäßige, objektive und ehrliche Bewertung gepflegt und entwickelt werden. Weist ein Lieferant häufig Mängel auf, zeigt sich beispielsweise bei der Einhaltung von Terminen unzuverlässig oder schludert in Bezug auf die sichere Verpackung, kann das Problem direkt angesprochen oder der Lieferant gleich gewechselt werden. In einigen Fällen hilft auch ein direkter Vergleich verschiedener Lieferanten, um denjenigen für künftige Lieferungen auszuwählen, der bei der Gesamtwertung die Nase vorn hat.

Methoden zur Bewertung von Lieferanten

Es gibt verschiedene Methoden, die dabei helfen, Lieferantenbewertungen vorzunehmen. Zwei kommen dabei besonders häufig zum Einsatz: Das Punkt-Bewertungsverfahren und die Profilanalyse.

Das Punkt-Bewertungsverfahren im Überblick

Im Punkt-Bewertungsverfahren erhalten Lieferanten Punkte oder Noten von Personen, welche die einzelnen Kriterien beurteilen können, also in direktem Kontakt zu dem bewerteten Lieferanten stehen oder beispielsweise dessen Lieferzeiten überwachen.

  • Erstellung/Anwendung: Um das PunktBewertungsverfahren anzuwenden, wird zunächst eine Liste mit wichtigen Bewertungskriterien für die Auswahl von Lieferanten erstellt. Anschließend gewichtet der Ersteller die einzelnen Kriterien. Die Summe der Gewichte ergibt 100. Wenn die Gewichtung nicht gleich klar festlegbar ist, kann es helfen, zwei Kriterien miteinander zu vergleichen und jeweils festzulegen, welches der beiden wichtiger ist. In den definierten Kategorien werden dann Punkte von eins bis zehn vergeben.  Ist jetzt beispielsweise Kategorie A grundsätzlich mit einer Gewichtung von 10 Prozent versehen und hat ein Lieferant hier 8 Punkte erhalten, ergibt sich ein gesamter Score von 10 (maximale Punkte Kriterium A) * 80 Prozent (erreichter Wert Kategorie A) = 8 Punkte.
  • Vorteile: Ein Vorteil des PunktBewertungsverfahrens ist die einfache Anwendung, die praktisch jeder Laie vornehmen kann. Außerdem ist eine klare Trennung der einzelnen Kriterien und die unabhängige Bewertung derselbigen möglich.
  • Nachteile: Als Nachteil gilt die meist subjektive Beurteilung eines jeden Bewertenden, außerdem werden Lieferanten nicht deutlich einander gegenüber gestellt. Die Rangfolge ergibt sich anhand der einzelnen, bewerteten Kategorien. Eine Gewichtung der einzelnen Kriterien ist unbedingt erforderlich.

 

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Als erstes Ziel der Lieferantenbewertung gilt die Optimierung des
Zulieferprozesses.

Die Profilanalyse im Überblick

Die Profilanalyse gewichtet die Kriterien zur Bewertung nicht unterschiedlich. Es gibt auch keinen Endwert der Leistung. Es handelt sich vielmehr um einen direkten Vergleich zweier oder mehrerer Lieferanten durch die Erstellung eines Leistungsprofils. Stärken und Schwächen werden ebenso aufgezeigt wie die Anforderungen, die eine Firma an ihre Lieferanten stellt.

  • Erstellung/Anwendung: Um die Profilanalyse durchzuführen, wird eine Matrix in Form einer Tabelle angefertigt. Wie auch bei dem PunktBewertungsverfahren kommen verschiedene Kategorien zum Einsatz. Es gibt anschließend verschiedene Bewertungsstufen, die von „-3“ über „0“ bis hin zu „+3“ reichen. „0“ bezeichnet die Mindestanforderung der Firma für die beschriebene Kategorie. Danach wird geprüft, welche Bedingung von welchem Lieferanten erfüllt wird. Die Firma legt schon bei der Anfertigung der Tabelle fest, wofür die angekreuzten Werte stehen. So könnte „-3“ eine komplette Missachtung des Kriteriums durch den jeweiligen Lieferanten verdeutlichen, während „+3“ eine besonders herausragende Leistung in diesem Bereich markiert. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Bewertung nachvollziehbar und erklärbar ist. Beispielsweise kann sich der Bewertende an Kennzahlen orientieren. Am Ende der Auswertung bzw. des Vergleichs werden die Punkte eines einzelnen Lieferanten miteinander verbunden. Ein Lieferant, dessen Punkte überwiegend im Bereich der „+“-Zahlen liegen, gewinnt den Vergleich mit den anderen bewerteten Lieferanten und sollte künftig bevorzugt werden.

Wichtig: Die Einordnung eines Lieferanten in die Skala sollte immer erklärt werden können, am besten anhand möglichst objektiver Belege wie Kennzahlen.

  • Vorteile: Ein direkter Vergleich der Lieferanten auf einen Blick wird ermöglicht und die Auswahl zukünftiger Lieferanten erleichtert. Zudem zeigt die Tabelle die Ergebnisse sehr anschaulich, besonders, wenn pro Lieferant eine andere Farbe gewählt wird.
  • Nachteile: Einzelne Kategorien können nicht gewichtet werden, alle Kriterien der Lieferanten sind gleich wichtig für die Auswertung. Auswahl der Methode zur Lieferantenbewertung

Die Methode zur Lieferantenbewertung sollte je nach Unternehmen und dem Gesamtziel der Bewertung ausgewählt werden. Soll ein einzelner Lieferant umfassend und möglichst zeitsparend bewertet werden, empfiehlt sich ein Punkt-Bewertungsverfahren, in dem Punkte oder Schulnoten vergeben werden. Wenn mehrere Lieferanten verglichen werden sollen, eignet sich hingegen die Profilanalyse, welche alle beurteilten Kriterien gleich gewichtet.