Rückgang von Insolvenzen in Deutschland abgeschwächt

Im Vergleich zu den Insolvenz-Höchstständen 2003 und 2004 (39.470 und 39.270 Fälle) haben sich die Fallzahlen halbiert, so der Auskunftsdienst Creditreform. Allerdings hat sich der Rückgang der Insolvenzen von Unternehmen deutlich abgeschwächt: Gingen die Insolvenzraten 2016 noch um 7 Prozent und 2017 um 6,6 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahr zurück, waren es 2018 nur noch 1,2 Prozent.

Höhe der Insolvenzschäden hat abgenommen

Laut Creditreform haben sich auch die Insolvenzschäden verringert. Demnach wurden im Jahr 2018 schätzungsweise 26 Milliarden Euro an Ausfällen oder drohenden Ausfällen registriert. 2017 waren es 28,3 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Schadenssumme je Insolvenzfall für die privaten Insolvenzgläubiger (beispielsweise Banken, Lieferanten und sonstige Kreditgeber) belief sich auf 915.000 Euro.

Insolvenzen von Unternehmen: Nicht allen Branchen geht es besser

Im Handel nahmen die Insolvenzen 2018 leicht auf 4.280 Fälle zu – ein Anstieg um 0,2 Prozent. 2017 waren die Insolvenzen in Deutschland im Handel noch um 4,7 Prozent zurückgegangen. Die meisten Insolvenzen gab es 2018 erneut im Dienstleistungsgewerbe mit 11.310 Pleiten (2017: 11.390). Auffallend ist, dass die Insolvenzrate bei älteren Unternehmen im Vergleich zu 2017 angestiegen ist: So lag das Unternehmensalter in jedem fünften Insolvenzfall (20,5 Prozent) bei über 20 Jahren. 2017 waren es nur 18,3 Prozent gewesen.

Gut die Hälfte (52,2 Prozent) aller 2018 insolventen Unternehmen war aber höchstens zehn Jahre am Markt (2017: 55,8 Prozent). Auch betreffen die meisten Insolvenzen in Deutschland Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitern: 2018 betrug ihr Anteil 83,2 Prozent (2017: 82,7 Prozent).

Zahl der Großinsolvenzen zieht weiter an

Während die Zahl der Insolvenzen in Deutschland insgesamt zurückgeht, zeichnet sich im gehobenen Mittelstand ein gegenläufiger Trend ab: Sowohl bei Unternehmen zwischen zehn und 20 Millionen Euro Umsatz als auch bei den noch größeren Unternehmen ziehen die Insolvenzzahlen deutlich an. Das geht zumindest aus dem „Finance-Insolvenz-Report“ des Beratungshauses Falkensteg hervor.

So erreichte im Jahr 2017 die Gesamtzahl der Großinsolvenzen (Unternehmen mit mehr als 20 Millionen Euro Jahresumsatz) mit insgesamt 69 Pleiten schon nach drei Quartalen die Gesamtwerte der beiden vergangenen Jahre. Auch auf der Ebene darunter – bei Unternehmen mit zehn bis 20 Millionen Euro Umsatz – sah es im dritten Quartal 2017 nicht besser aus: Die 65 neuen Insolvenzanträge im dritten Quartal entsprachen mengenmäßig fast der Anzahl an Insolvenzen aus den ersten beiden Quartalen zusammen (70).

Die wohl prominentesten Insolvenzen von Unternehmen 2017 waren:

  • Air Berlin
  • Butlers
  • Solarworld
  • die Rickmers Holding
  • Küchenhersteller Alno
  • Personaldienstleister Tempton.

Zu den Großinsolvenzen 2018 zählt der Krankenhausbetreiber Paracelsus-Kliniken mit bundesweit rund 5.000 Beschäftigten an 23 Standorten.

Große Namen im Kundenstamm garantieren keine Sicherheit

Der weltweite Trend zu Insolvenzen großer und sehr großer Unternehmen, die schnell zahlreiche Lieferanten mit in den Abwärtsstrudel ziehen können, ist laut Euler Riemel, Weltmarktführer im Warenkreditversicherungsgeschäft, alarmierend. Denn: Welches Unternehmen fühlte sich bislang nicht relativ sicher, wenn es ein oder mehrere große Namen im Kundenstamm hatte? Schließlich sind es besonders diese Kunden, die trotz satter Rabattzusagen einen recht stabilen Umsatz versprechen.