Was ist wichtig – und was kann vernachlässigt werden?

Zunächst stellt sich die Frage: Welcher Lieferant passt zu mir? In der Regel werden Sie bei der Lieferantenauswahl mehrere Kandidaten einer Prüfung unterziehen. Dabei gilt es, die jeweiligen Angebote detailliert aufzuschlüsseln, um sie vergleichbar zu machen. Vereinfachen lässt sich dieser Prozess, indem die Kriterien nach Wichtigkeit gewertet werden: Wenn Sie sich als Experte oder Marktführer auf einem Gebiet positionieren möchten, kann der Preis zum Beispiel weniger wichtig sein und nur eine Gewichtung von 20 Prozent ausmachen, das Innovationspotenzial in diesem Fall dagegen 80 Prozent.

Die wichtigsten Kennzahlen für die Lieferantenbewertung

Der Lieferantenauswahlprozess hängt in hohem Maße davon ab, welche Strategien und Ziele Sie als Unternehmen verfolgen: Sind Sie auf dem Weg, die Marktführerschaft zu erobern, möchten Sie sich als Innovationsmotor etablieren oder ist es Ihnen besonders wichtig, als zuverlässiger Partner mit einer hohen Servicebereitschaft wahrgenommen zu werden? Dabei lassen sich bei der Auswahl der Lieferanten grundsätzlich folgende Kennzahlen unterscheiden:

  • Technologiekennzahlen
  • Logistikkennzahlen
  • Qualitätskennzahlen
  • Einkaufskennzahlen

Stimmt die technologische Ausrüstung?

Wie fortschrittlich ist der Lieferant, wie viel investiert er in Forschung und Entwicklung? Diese Fragen sind bei der Bewertung besonders signifikant, wenn Ihr Unternehmen einen technologisch fortschrittlichen Weg einschlagen soll. Darüber hinaus ist es ratsam, einen Blick auf die technologischen Errungenschaften des Lieferanten zu werfen: Wie schnell kann der Lieferant neue Technologien umsetzen? Ist hierfür ein erhöhter Personal- und/oder Mitteleinsatz erforderlich?

Kann die Liefertreue gewährleistet werden?

Liefertreue und ein zuverlässiges Terminmanagement sind bei der Lieferantenauswahl unverzichtbar. Steht die Produktion aufgrund fehlender Teile still, hat das fatale Folgen für das Renommee des eigenen Unternehmens. Die Güter müssen nicht nur rechtzeitig, sondern auch in bestellter Menge eintreffen. Dies kann ein Lieferant durch zahlreiche Faktoren im Vorfeld beeinflussen, etwa durch geschulte Mitarbeiter und eine effiziente Arbeitsweise. Die Kompatibilität von Software und Systemen bei Unternehmen und Lieferant unterstützt ebenfalls die Termintreue: Verwendet der Lieferant die gleichen Systeme wie Sie, profitieren beide Seiten von einem vereinfachten Bestellprozess.

Stimmt die Qualität?

Ohne hochwertige Teile gibt es kein hochwertiges Produkt. Auch davon hängt letztendlich der Ruf eines Unternehmens ab. Im Rahmen des Procurements wird die Fehlerrate eines Produkts mit ppm berechnet: Die ppm-Rate steht für „parts per million“, also Teile pro Million. Je geringer die Fehlerrate ausfällt, desto geeigneter ist der Lieferant. Insbesondere in der Automobilindustrie wird von den Zulieferern eine sehr geringe ppm-Rate gefordert – häufig um 20 ppm.

Im Rahmen des Qualitätsmanagements ist zudem darauf zu achten, dass der Lieferant über entsprechende Zertifizierungen verfügt: ISO 9001 für die Etablierung eines Qualitätsmanagements und/oder ISO 14001 für die Einführung eines Umweltmanagements.

 

Zur Qualität zählen nicht zuletzt Service und Erreichbarkeit.

Welche (zusätzlichen) Serviceleistungen sind in der Dienstleistung eingeschlossen? Werden etwa Schulungen angeboten oder gibt es Hilfe bei der Montage? Ist die Serviceabteilung gut erreichbar und nimmt sie sich der Fragen oder Reklamationen kompetent an? Ideal ist ein fester Ansprechpartner, der im Laufe der Lieferantenpartnerschaft Ihre Anforderungen genau kennenlernt.

 

Preis & Co: Was ist wichtig für den Einkauf?

Der Preis sollte zwar nicht die einzige Rolle spielen, muss aber bei der Auswahl zwangsläufig herangezogen werden. Schließlich beeinflusst er den Endpreis des fertigen Produkts und somit seine Bedeutung am Markt. Wägen Sie Preis und Qualität immer gegeneinander ab: Ein unverhältnismäßig günstiges Produkt kann eine mangelnde Qualität aufweisen. Durch langfristige Verträge mit dem Lieferanten lässt sich oftmals ein niedrigerer Einkaufspreis realisieren. Des Weiteren sind die Zahlungsbedingungen interessant, denn sie bringen durchaus einen Preisvorteil oder -nachteil mit sich. Bei einem Zahlungsziel von 30 Tagen können Sie mit dem Geld anderweitig arbeiten, während bei cash on delivery die Zahlung mit der Lieferung fällig ist.

Nicht zuletzt ist die Transparenz des Angebotes bedeutend. Für das Beschaffungsunternehmen sollten das Angebot des Lieferanten und die Zusammensetzung des endgültigen Preises nachvollziehbar sein. Versteckte Kosten oder Mindestmengen gehören nicht in ein transparentes Angebot.

Strategisch zum passenden Lieferanten

Der perfekte Lieferant kann immer nur im Hinblick auf die Unternehmensziele gefunden werden. Während einige Kriterien subjektiv bewertet werden können, sind andere, wie Liefertreue und Pünktlichkeit der Warenlieferung, unverzichtbar. Der Preis sollte dagegen zwar herangezogen werden, aber niemals die einzige Rolle spielen. Eine Studie zur Lieferantenauswahl in Schweizer Unternehmen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich stellte fest, dass für Unternehmen die Qualität an erster Stelle bei der Auswahl der Lieferanten steht. Es folgen die Beschaffungskosten, das Servicelevel und die Flexibilität. Mehr zur Studie lesen Sie in unserem Artikel „So wählen Schweizer Unternehmen ihre Lieferanten aus“.

Kriterien für die Lieferantenauswahl auf einen Blick

Die Frage, was ein guter Lieferant ist, lässt sich immer nur im Hinblick auf die Anforderungen des Unternehmens beantworten. So ist die Auswahl des Lieferanten ein strategischer Prozess, an dessen Ende eine langfristige, vertrauensvolle Partnerschaft stehen sollte. Diese Kriterien spielen bei der Suche nach dem Richtigen eine Rolle:

  • Qualität
  • Fehler- und Ausfallquoten
  • Kulanzregelungen
  • Liefertreue
  • feste Ansprechpartner
  • Transparenz des Angebots
  • Preisgarantien
  • Bonitätsbewertung
  • Innovationspotenzial

 

Die richtige Lieferantenwahl treffen:

  • Definieren Sie, welche Kriterien der Lieferantenauswahl maßgeblich sind und welche eine geringere Rolle spielen.
  • Der Lieferant sollte zu Ihren Unternehmenszielen und -strategien passen.
  • Der richtige Lieferant ist immer auch eine subjektive Entscheidung, an deren Ende eine vertrauensvolle und langfristige Partnerschaft stehen sollte.