Schritt 1: Kritische Lieferanten erkennen

Der erste und sicherlich anspruchsvollste Schritt beim Aufbau einer Strategie für das Lieferantenrisikomanagement ist die Identifikation kritischer Lieferanten. Es gilt, wie so oft im Geschäftsleben: Wer am Anfang mehr Zeit und Aufwand investiert, hat es am Ende leichter. In diesem Schritt ist es daher besonders wichtig, die komplette Lieferantenbasis unter die Lupe zu nehmen und jeden einzelnen Lieferanten unternehmensindividuell zu betrachten. Dabei sollten die Anbieter nicht nur nach dem Einkaufsvolumen bewertet werden: Auch ein „kleiner“ Lieferant mit einem vergleichsweise geringen Einkaufsvolumen kann schon ein enormes Schadenspotenzial aufweisen.

Bei allen Lieferanten sollte in diesem Schritt geklärt werden, wie abhängig das eigene Unternehmen von diesen ist. Gibt es beispielsweise alternative Anbieter, wenn ein Lieferant ausfällt? Identifizieren Sie alle Lieferanten, zu denen ein „Single-Source-Verhältnis“ besteht, und nehmen Sie diese in Ihre Risikoanalyse für Lieferanten auf. Denn hier ist Ihre Abhängigkeit groß und es kann unter Umständen sehr lange dauern, bis Sie einen Ersatz gefunden haben. Filtern Sie so Schritt für Schritt kritische Lieferanten heraus und klassifizieren Sie sie als kritisch, mittelkritisch und hochkritisch. Entscheiden Sie danach je nach Risikoakzeptanz, welche Lieferanten Sie in Ihre Risikobewertung aufnehmen.

Schritt 2: Risikosituationen einordnen

Sie haben Ihre kritischen Lieferanten identifiziert? Dann müssen Sie im nächsten Schritt das Ausfallrisiko dieser Lieferanten klassifizieren. Finanzielle Situation des Unternehmens, Standort, Sub-Lieferketten: Legen Sie anhand eines individuellen Katalogs an Risikoindikatoren fest, welche davon in die Beurteilung einfließen sollen, und gewichten Sie diese.

Für eine umfassende Lieferantenbeurteilung sollte Ihr internes Wissen als Einkäufer einfließen, daneben auch externe Informationen wie beispielsweise Daten von Wirtschaftsauskünften (zum Beispiel der SCHUFA). So bauen Sie sich nach und nach ein umfassendes Bild Ihrer aktuellen Risikosituation auf.

Schritt 3: Strategien und Maßnahmen festlegen

Um schnell auf Veränderungen reagieren zu können, sollten Sie eine „Alarm-Funktion“ in Ihrem Lieferantenmanagement implementieren, für die Sie vorab Strategien festlegen und geeignete Maßnahmen definieren. Eine Vorgehensweise könnte es etwa sein, bei kritischen Lieferanten einen Ersatzlieferanten (Second Source) in einer anderen Region aufzubauen.

Schritt 4: Erfolgskontrolle der Risikobewertung für Lieferanten:

Die Risikobewertung von Lieferanten und das Lieferantenrisikomanagement allgemein sind keine einmaligen Projekte, die man einmal angeht und danach ruhen lässt. Vielmehr ist das Lieferantenrisikomanagement ein fortlaufender Prozess, der einer regelmäßigen Kontrolle und Neubewertung bedarf. Erarbeiten Sie also unternehmensindividuelle KPI und überprüfen Sie diese in einem festgelegten Turnus. Implementieren Sie gegebenenfalls Kontroll- und Reportingmechanismen. Ihre aktuelle Risikosituation wird dadurch mess- und für alle nachvollziehbar.

Ein ausgefeiltes Lieferantenrisikomanagement hilft Ihnen übrigens nicht nur dabei, bestehende Lieferantenrisiken zu minimieren. Haben Sie Ihr System einmal eingeführt, senken Sie auch das Risiko beim Finden neuer Lieferanten. Denn diese werden den Parametern im Risikomanagement entsprechend eingeordnet. Schnell lässt sich so überprüfen, ob ein Lieferant die Anforderungen nicht nur im Hinblick auf Technologie oder Qualität, sondern auch hinsichtlich der vertretbaren Risiken erfüllt.