Geschwindigkeit im Materialfluss

Materialfluss & Intralogistik

Geschwindigkeit ist Trumpf: Konzepte für den Materialfluss der Zukunft

Geschwindigkeit spielt beim Informationsfluss ohne Zweifel eine große Rolle. Je schneller Informationen fließen, desto besser für Unternehmen und Kunden. Daher entstehen immer mehr Konzepte, um die Geschwindigkeit zu erhöhen. Übertragen auf die Herausforderungen im Bereich Materialfluss und Warentransport bedeutet ein Gewinn an Geschwindigkeit vor allem eines: einen Gewinn an Sicherheit und Zuverlässigkeit in der pünktlichen Anlieferung von Gütern.

In hochautomatisierten Fabriken reizen CNC-Maschinen, Montageroboter und Transportroboter bereits viele Spielräume aus, um noch weitere wertvolle Sekunden hinzuzugewinnen. Der Zeitgewinn durch innerbetriebliche Optimierung des Materialflusses wird allerdings auch dringend benötigt, um die Zeitverluste in der Transportlogistik wieder aufzuholen. Der interne Zeitgewinn reicht oft nicht aus, um die Gesamtzeit der Versorgungskette im Supply-Chain-Management zu reduzieren. Wie schnell erst ein Schiff, dann ein Güterzug und am Ende ein Lkw das Ziel erreichen, liegt außerhalb des Einflussbereichs der Hersteller. 

Erste Voraussetzung für mehr Geschwindigkeit: optimierte Intralogistik

Der umgekehrte Weg, eigene Versäumnisse in der Intralogistik „auf den letzten Drücker“ durch eine umso schnellere An- oder Auslieferung auszugleichen, ist schon lange keine Option mehr – wird aber trotzdem vielfach als letzte verbliebene Trumpfkarte ausgereizt. Weltweit geraten die Transportwege nicht nur an ihre natürlichen Kapazitätsgrenzen. Sie werden oft auch zum Spielball politischer Krisen. Je globaler der Materialfluss organisiert ist, desto schwieriger wird es, auf Basis solcher Bedingungen den eigenen Materialfluss störungssicher zu planen

Schnelligkeit ist energieaufwendig, Geschwindigkeit nicht unbedingt

Ambitionierte Konzepte, einen weiterhin sicheren Güterverkehr sicherzustellen, müssen zudem auch energiewirtschaftliche Vorteile ins Feld führen. „Schnelligkeit kostet immer CO2“ – wie Energie-Experten bescheinigen. Mehr Kraft für mehr Beschleunigung wird keine weiteren Vorteile mehr erzielen. Daher bringen Experten mittlerweile einen Begriff ins Spiel, der bislang vor allem in Psychologie, Sozialkunde und Marketing bekannt war: Entschleunigung. Denn Endgeschwindigkeit basiert nicht unbedingt auf Schnelligkeit.

Die bewusste Verlangsamung bestimmter Prozesse, um trotzdem nicht nur schnell genug zu bleiben, sondern sogar noch schneller als vorher zu werden, birgt nicht nur ökologische Aspekte in sich. Beispiel Sport: Aus der Leichtathletik ist bekannt, dass erst die Rücknahme geballter Kraft zum Sieg führt. Ein 100-Meter-Sprinter beschleunigt sein Tempo nur bis knapp vor die 60-Meter-Marke und „trudelt“ seinen Lauf dann möglichst locker und entspannt aus. Würde er dies nicht tun, hätte er kaum eine Chance, ein Rennen zu gewinnen. Dass es um die richtige statt um die höchste Geschwindigkeit geht, verdeutlicht ein anderes Beispiel: fahrerlose Transportmittel (FTS), die in ruhiger Schrittgeschwindigkeit ihre Bahnen durch die Werkshallen ziehen und Materialien transportieren. Hier ist Geschwindigkeit Trumpf – wird aber nicht durch Schnelligkeit erzielt, sondern buchstäblich durch Geschwindigkeitsbegrenzung. Nicht Maschinen und Fahrzeuge, sondern der Verkehrsteilnehmer Mensch gibt dabei den weltweiten Takt vor. Was bei allen Diskussionen über Beschleunigungskonzepte für eine optimierte Just-in-time-Lieferung der weltweiten Just-on-demand-Wirtschaft auch häufig aus dem Blickpunkt gerät: Die „Reisegeschwindigkeit“ allein hat nur einen bedingten Effekt auf die endgültige Ankunftszeit.  

Bereits vielfach vorhanden: Hochgeschwindigkeit durch intakte und störungsfreie Abläufe

Mit moderner Automatisierungstechnik lässt sich der Zeittakt, mit dem ein Produktionsprozess erfolgt, in vollkommenen Einklang mit dem Materialfluss bringen. Das zeichnet eine zukunftsfähige Fabrik aus: In ihr wird genau festgelegt, wie schnell ein Produkt zur Auslieferung bereitsteht. Alle weiteren Einflussmöglichkeiten liegen dann nicht mehr in den Händen der Fabrik selbst, sondern in denen von Verkehrsplanern. Sie entscheiden über die Logistikwege der Zukunft. Klar ist, dass die urbanen Zentren an der Oberfläche so gut wie gar nicht mehr umgebaut werden. Es ist bereits schwierig genug, Bus-, Taxi- und Radfahrern eigene Fahrspuren zu verschaffen. Da bleibt für eigene Induktionsschleifen, mittels derer sich kleinere Transportfahrzeuge zielsicher steuern ließen, kaum noch Spielraum. So liegt der Gedanke nicht mehr fern, dass U-Bahnen für den Gütertransport eine geeignete Lösung sein könnten. Warum sollten nicht Lebensmittel auch per Seilbahn zu einem großen Einkaufszentrum befördert werden können? Was in Skigebieten zu den logistischen Selbstverständlichkeiten gehört, ist auch in Großstädten denkbar. Für den Transport von Menschen gelten urbane Seilbahnen bereits als praktikable Alternative zu Straßenbahnen – und das nicht als touristische Attraktion, sondern als ernsthafte Problembewältigung des innerstädtischen Personentransports. 

Fazit: Geschwindigkeit ist Trumpf – vor allem bei der schnellen Umsetzung zukunftsfähiger Verkehrslösungen

Bei jeder logistischen Bemühung um Pünktlichkeit spielen immer die „letzten Meter“ die entscheidende Rolle. Auch in voll automatisierten Produktionsprozessen geht es nicht darum, wie stark eine Maschine ein Werkzeug beschleunigt, sondern wie genau und präzise das Werkzeug eine Bewegung „abstoppt“, um seine Aufgabe zu verrichten. Wenn in hochmodernen Fabriken ein Roboterarm ein Werkstück greift, dann ist ausgeschlossen, dass der Roboter das Werkstück fallen lässt. Eine Kapsel, die durch eine Rohrpostanlage befördert wird, kann nicht umkippen. Eine Seilbahn muss vor keiner roten Ampel warten – genau so wenig wie ein unterirdischer Güterzug. Das alles klingt so logisch, dass solche und ähnliche Ideen bereits Einzug in die Büros von Verkehrsplanern gehalten haben. Sie müssen „nur noch“ weitergedacht und umgesetzt werden.

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