Intralogistik

Materialfluss & Intralogistik

Intralogistik: Herzstück des Supply-Chain-Managements

Wie viele Kilometer stecken eigentlich in einem fertig produzierten Auto, bevor es als Endprodukt den ersten eigenen Kilometer auf dem nagelneuen Tacho verbuchen kann? Was hat also jede einzelne Komponente, aus denen ein Pkw besteht, allein schon innerhalb der eigenen Werkshallen an Wegstrecke hinter sich gebracht, bevor sie mit allen anderen Einzelteilen zum fertigen Produkt zusammenschmolz? Experten des Supply-Chain-Managements beschäftigen sich durchaus mit solchen „Rechenaufgaben“. Vor allem wollen sie herausfinden, wie sich dieses  „Kilometergeld“ im Bereich des Materialflusses reduzieren lässt.

Intralogistik heißt das betriebswirtschaftliche Feld, in dem vor allem der interne Materialfluss auf dem Prüfstand steht. Mathematisch lässt sich Intralogistik vereinfacht auch so darstellen: Anlieferungsweg minus Auslieferungsweg. Übrig bleiben die Wege des Materials auf dem eigenen Firmengelände. Und genau dort wird die neue Zukunftsmusik der Automatisierung gespielt. Denn was nutzt die schnellste Produktionsanlage, wenn schon kleinste Störungen im Materialfluss einen Stau verursachen können? Staus gibt es also nicht nur auf der Autobahn. Aber auf dem eigenen Gelände hat man größere Chancen, sie zu vermeiden.

Die Optimierung der Versorgungskette

Im Rahmen eines Supply-Chain-Managements, also der Organisation einer möglichst reibungslosen Versorgungskette, stellt die Intralogistik eine der größten Herausforderungen dar, die in einem produzierenden Industriebetrieb zu bewerkstelligen sind. Im Idealfall kann ein Produktionsbetrieb mit einer konstanten Menge an produzierter Ware kalkulieren, sodass sich für das interne Transportwesen ein gleichbleibender Rhythmus ergibt. Diesen Idealfall gibt es allerdings nicht einmal in solchen Industrien, in denen am ehesten vermutet werden könnte, dass täglich konstante Mengen eines Produkts gefertigt und ausgeliefert werden. Selbst in der Lebensmittelindustrie, wo mit relativ gleichbleibenden Bedarfslagen im Absatzmarkt kalkuliert werden kann, sind Schwankungen in der täglichen Produktionsmenge zu berücksichtigen und einzuplanen.

Intralogistik bleibt als betriebswirtschaftliche Disziplin aber keineswegs nur auf die produzierenden Industrien beschränkt. Im Handel und generell überall dort, wo ein Warenumschlag stattfindet, sorgen neue Technologien für die Beschleunigung und Präzisierung des Materialflusses.

Perfekter Materialfluss als Erfolgsfaktor

Dem internen Transportwesen fällt dabei eine besondere Rolle zu: Denn mit zunehmender  Automatisierung der Produktionsanlagen selbst muss auch der Materialfluss innerhalb der einzelnen Fertigungsschritte nicht nur pünktlich, sondern auch in der richtigen Quantität erfolgen. Zu den klassischen Transportmitteln, die in der Intralogistik eingesetzt werden, gehören Förderbänder und Kleinfahrzeuge wie zum Beispiel Gabelstapler. Das Fließband hingegen wird eher als Teil einer Produktionsanlage gewertet. In vollautomatisierten Betrieben können Fließbänder mitunter über die gesamte Produktionskette hinweg das Produkt in allen einzelnen Fertigungsschritten bis hin zum Endprodukt transportieren.

Die eigentlichen Herausforderungen der Intralogistik bestehen darin, auch die Anlieferung von Rohstoffen, halbfertigen Bauteilen oder anderen hinzugekauften Zwischenerzeugnissen in den eigenen Materialfluss zu integrieren. Je geringer die eigene Fertigungstiefe ausfällt (in immer stärkerem Maße werden nämlich komplette Baugruppen bei Partnerunternehmen gefertigt), desto größere Bedeutung kommt dann dem internen Transportwesen zu. Die Automobilindustrie ist das Paradebeispiel einer solchen Entwicklung.

Ziele der Intralogistik

In der Intralogistik werden verschiedene Einzelziele verfolgt, die am Ende im Gesamtziel einer termingerechten Auslieferung münden. Die Vermeidung von Verzögerungen im Produktionsprozess steht an oberster Stelle. Darüber hinaus soll aber auch zusätzliche Zeit durch höhere Geschwindigkeiten im internen Materialtransport gewonnen werden. Denn hier entscheidet sich am Ende auch, wie pünktlich und zuverlässig der Kunde beliefert wird. Neben Qualität ist die Liefertreue das wichtigste Kriterium für Kundenzufriedenheit und wird als Bestandteil eines perfekten Service gewertet.

In der Optimierung des inneren Transportwesens sehen auch immer mehr kleinere und mittelständische Produktionsbetriebe  ein großes Potenzial zur Steigerung ihrer eigenen Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt auch der Kundenzufriedenheit. Denn wer immer ein Produkt an einen anderen Abnehmer ausliefert, muss das in immer engeren Zeitfenstern leisten. Und was nutzen die schnellsten Produktionsanlagen, wenn kostbare Zeit vor allem im internen Transportwesen verloren geht? Tatsächlich sehen viele Unternehmen hier auch die größten Chancen, durch nachhaltige Investitionen in neue Technologien weitere Potenziale für bessere Wirtschaftlichkeit zu erschließen.

Intralogistik als lohnendes Feld für Automatisierungstechnologien

Die anhaltenden Bestrebungen um Automatisierung konzentrieren sich also zunehmend auf den internen Warentransport. Denn das ist auch der Bereich, den jedes Unternehmen auch am wirkungsvollsten beeinflussen kann. In der Transportlogistik per LKW, Bahn, Schiff oder Flugzeug sind immer gewisse Unwägbarkeiten nie ganz auszuschließen. Und dort kann verlorengegangene Zeit auch nicht mehr aufgeholt werden. Zudem stellt das interne Transportwesen einen hohen Kostenfaktor dar. Manuelle Fördermittel repräsentieren zwar immer noch den größten Bestand am intralogistischen Transportsystem. Allerdings werden die eher personalintensiven Transportmittel  zunehmend durch moderne Fördertechnik ersetzt.

Zu den ganz großen Visionen im Bereich der Intralogistik zählt die Fabrik, die sich komplett selbst steuert und organisiert. Die deutschen Schlüsselindustrien haben erkannt, dass sie nur mit verstärkten Investitionen in diesen Bereich auch dem zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck standhalten können.

Wenn von der Industrie 4.0 die Rede ist, dann richtet sich der Blick also vor allem auf neuartige Steuerungsprozesse für den internen Materialfluss. Denn vor allem in diesem Bereich ist das Potenzial der Robotik bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Neben einer immer stärkeren Vernetzung von Produktions- und Montageprozessen mit dem Warenfluss zählen auch fahrerlose Transportsysteme zu den neuen Technologien, die solche Visionen der sich selbst organisierenden Fabrik mittelfristig zur Realität werden lassen.

Produktionsprozesse flexibler gestalten

Was die Forderung nach modernsten Technologien zusätzlich intensiviert: das hohe Maß an Flexibilität, die heute jeder Produktionsbetrieb aufbringen muss, weil sich die Produktzyklen zunehmend verkürzen. Die Umstellung auf andere Produkte und Produktlinien muss so schnell wie möglich erfolgen, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Die Intralogistik ist der Schlüssel, die Versorgungs- und Lieferantenkette so schnell wie möglich an die neuen Produktionsschritte anzupassen. Gefragt sind daher intelligente Transportsysteme, die selbstständig miteinander kommunizieren und den Warenfluss organisieren. Die Produktionsanlagen müssen dazu immer stärker mit automatisierten Transportmitteln vernetzt werden.

Fazit: Die Intralogistik steht immer stärker im Visier

Der neue Fokus der Automatisierungsindustrie liegt in der Beschleunigung und Flexibilisierung der Intralogistik. Hier steckt das größte Optimierungspotenzial für Unternehmen jeder Größenordnung, um weitere Verbesserungen, Kosteneinsparung und damit auch mehr Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.

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