Die Industriezweige, in denen verschiedenste Oberflächentechnologien funktionaler und dekorativer Art zur Anwendung kommen, sind vielfältig. Mit etwa 40 Prozent sind jedoch Automobilhersteller Hauptabnehmer von Produkten und Dienstleistungen der Oberflächen-Branche. Es folgen Maschinenbau, Bauindustrie, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Elektro- und Verpackungsindustrie. Die Oberflächen-Branche gehört in Deutschland zum Mittelstand: Das Statistische Bundesamt erfasst rund 800 Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern, die einen Umsatz von knapp fünf Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften. Laut dem Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO) sind in der Oberflächen-Branche rund 44.000 Mitarbeiter beschäftigt. Es dürften jedoch mehr sein, da die Statistik nicht die zahlreichen kleinen Betriebe mit weniger als 20 Angestellten berücksichtigt. Laut Industriekreditbank beläuft sich der gesamte Branchenumsatz auf mehr als 17 Milliarden Euro. Damit ist Deutschland neben Italien EU-Spitzenreiter im Bereich der Oberflächentechnik. 

Oberflächentechnik in der Luftfahrt

Zu den bekanntesten Branchen, in denen Oberflächentechnologien zum Einsatz kommen, gehört die Luftfahrt. Flugzeuge müssen extremen Bedingungen wie UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Druckunterschieden standhalten. Hinzu kommen der mechanische Abrieb durch Flugsand, Vulkanasche, Eispartikel und Wassertropfen sowie Steinschlag bei Start und Landung. Damit die Struktur des Flugzeugrumpfes und die Funktion der Triebwerke bei aller Belastung möglichst keinen Schaden nehmen, bedarf es einer effizienten Oberflächenveredelung. Dazu gehören unter anderem das Galvanisieren, der Schutz vor Korrosion und Erosion sowie das Lackieren.

Flugzeuglacke unterliegen einem fortwährenden Optimierungsprozess bezüglich ihrer Witterungs-, Glanz- und Farbbeständigkeit, Reinigungseigenschaften sowie Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit. Und so kommt auch beim Lackieren des A380 technologisch modernster Lack zum Einsatz. Das größte Passagierflugzeug der Welt bekommt bei Airbus in Hamburg seinen letzten unverzichtbaren Anstrich. Um die rund 3.150 Quadratmeter Oberfläche dieses gigantischen Fliegers zu lackieren, bedarf es eines ebensolchen Aufwands:

  • Zwei Hangars mit einer Fläche von je 22.365 Quadratmetern stehen allein zum Lackieren zur Verfügung.

  • Der Lackiervorgang erfolgt manuell: Pro Hangar gibt es dafür acht Arbeitsplattformen, von denen aus die Lackierer bei künstlichem Tageslicht mit elektrostatischen Farbpistolen den Luftgiganten manuell beschichten.

  • Es wird in vier Schichten an sieben Tagen pro Woche gearbeitet. Um eine Lackschicht auf den Flugzeugrumpf aufzubringen, benötigen 24 Lackierer eine Stunde.

  • Der komplette Lackierprozess dauert zehn bis 14 Arbeitstage pro Flugzeug. Die meiste Zeit nehmen dabei die Vor- und Nachbereitung wie beispielsweise das Maskieren und De-Maskieren von Fenstern, Türen, Hebeln usw. in Anspruch.

  • Pro A380 werden 650 Kilogramm Lack verwendet, wobei die Dicke der Lackschicht 0,15 Millimeter beträgt.  

Oberflächentechnik in der Automobilindustrie

Als Kernbereich der deutschen Industrie ist die Automobilbranche der Hauptabnehmer von Produkten und Dienstleistungen aus dem Bereich der Oberflächentechnik. So benötigen sämtliche Bauteile eines Automobils die passende Oberfläche – vom Motor bis zur Karosserie. Die eingesetzten Legierungen müssen in der Lage sein, einen hervorragenden Korrosionsschutz zu gewährleisten, während sich Lacke im Idealfall durch eine sehr hohe Abriebfestigkeit auszeichnen.

Aber auch im Fahrzeuginnenraum besteht hoher Bedarf an innovativen, dekorativen Beschichtungskonzepten. Hier sind insbesondere Oberflächentechnologien gefragt, die nicht nur abriebfest sind, sondern auch die Schmutzanhaftung minimieren. 

Oberflächentechnik in der Medizintechnik

In der Medizin spielt die Oberflächentechnik eine lebenswichtige Rolle. Bakterien und Keime, die sich in Krankenhäusern auf Oberflächen festsetzen und bei Kontakt mit Menschen Infektionen auslösen, fordern jährlich deutschlandweit Tausende Todesopfer. Gerade die Oberflächen von chirurgischen Instrumenten müssen in diesem Zusammenhang höchsten Anforderungen genügen. Umso wichtiger ist daher die Verwendung und Weiterentwicklung von antibakteriellen Oberflächen, die die Ausbreitung von Keimen eindämmt. An der Entwicklung von Oberflächenbeschichtungen, die Bakterien und Keime abtöten, wird daher intensiv geforscht. Die große Herausforderung: Entsprechende Beschichtungen sollten im Idealfall kein Biozid freisetzen, da diese die Entwicklung von resistenten Bakterienstämmen begünstigen kann.