Bevor sich zum Beispiel in der Lebensmittelbranche solche Trends wie "Fresh Food" und "Eat Smarter" und ähnliche Bewegungen zu relevanten Massenmärkten entwickeln, wird der Verkauf von Tiefkühlpizza wohl noch die Milliardengrenze überschreiten. Rechnet man den Bedarf an Transportverpackungen der Pizza-Lieferdienste hinzu, dürfte den Produzenten von Kartonagen so schnell nicht bange um weiteres wirtschaftliches Wachstum werden. 

Verpackung und Marketing: Der Verbraucher will nicht mehr verführt werden

Der Verbraucher bevorzugt statt appetitanregender Bedruckung von Verpackungen, die ihn nur zum Konsum verführen wollen, schlichte, neutrale Kartons. Das käme auch dem Trend nach mehr Authentizität, Echtheit und Natürlichkeit entgegen. So jedenfalls sieht sich der Verbraucher. Er möchte nicht verführt und beim Öffnen einer Verpackung enttäuscht werden. Ein Produkt soll fair erzeugt und gehandelt werden. Und die Verpackung soll ihm zeigen, dass seine Erwartungshaltung erfüllt wird. Überzeugen muss allerdings weiterhin auch das Preisschild.

Tatsache ist: Die echten Trends weisen ein anderes Bild auf und schmeicheln dem realen Verbraucherverhalten nur selten. Nun leben Trendforscher aber bekanntlich nicht davon, jedes Jahr einen bereits bestehenden und weiterhin wachsenden Konsumtrend zu bestätigen. Es müssen stets neue Parolen und Begriffe ausgerufen werden. Der Verbraucher will zum Beispiel – angeblich – mehr Einfluss darauf nehmen, welche Produkte und wie sie produziert werden. Auf eine kleine Avantgarde an Konsumenten mag das vielleicht zutreffen. Für die Mehrheit taugen solche Ansprüche aber wenig. Der Verbraucher ist gerne interaktiv – aber nicht, wenn es ihm zu anstrengend wird.

Die Verpackungsindustrie hat also einen realistischeren Blick auf Verpackungstrends, die bei Verbrauchern die Hauptrolle spielen. Der übergeordnete Trend, der das wahre Konsumverhalten und den Bedarf der Industrie prägt, heißt nicht "besser und gesünder Essen", sondern weiterhin "schneller Essen". 

Trend-Food = Fast Food – aber gesund muss es sein!

Daheim sind es Tiefkühlkost und Fertiggerichte aus der Kühltheke, auswärts sind es Snacks, Menüs der Systemgastronomie und Frische-Boxen für To-go-Angebote, die den Bedarf an schnellen Mahlzeiten erfüllen. Zwar partizipieren nicht mehr alle Fast-Food-Anbieter in gleichem Maße am weiteren Wachstum des Convenient-Food-Marktes. Aber da auch neue Wettbewerber in das Marktsegment der Fast-Food-Ketten vorstoßen, bleibt der Gesamttrend zu möglichst bequemer und schneller Ernährung ungebrochen. Und in diesem "Außer Haus"-Markt werden weiterhin geeignete Verpackungsmaterialien benötigt – in größeren Mengen denn je. 
 

Hilfestellung für den Konsumenten: Labels, Prüfsiegel, Kennzeichnungen

Der Verbraucher wird immer häufiger von schlechtem Gewissen geplagt. Die Unterschiede zwischen Nachhaltigkeit und Verschwendung sind ihm bewusst. Er kann sein eigenes Konsumverhalten aber nicht immer so differenziert wie möglich zwischen "gut" und "nicht so gut" ausrichten. Dazu hat er zu viel zu tun, zu wenig Zeit. Er "leidet" also darunter, seine Ansprüche an sich selbst und ökologisch korrekten Konsum nicht immer erfüllen zu können. Was er erwartet, ist die Hilfestellung der Industrie, ihm einen guten Teil der eigenen Sorge abzunehmen. Der Verbraucher möchte etwas ethisch Unbedenkliches nutzen und er will einen Beitrag zur Gesunderhaltung der Umwelt leisten. Aber er schafft es nicht, wenn ihm die Industrie keine passenden Angebote macht. Die Weiterentwicklung von biologisch abbaubaren Werkstoffen ist ein solch unterstützender Trend der Verpackungsindustrie. Man geht auf der Verbraucherseite davon aus, dass es früh genug ist, einem Trend zu folgen, wenn es ohnehin keine Alternative mehr gibt. Bis dahin wartet der Verbraucher geduldig ab, was der Industrie gelingt. 

Teilen statt besitzen: das Erfolgsmodell Sharing am Beispiel des Pfandsystems

Auch, wenn es zunächst abwegig erscheint: Die Pfandflasche ist eine Art Sharing-Konzept. Statt eine Verpackung käuflich zu erwerben, wird sie nur geliehen und mit anderen Nutzern geteilt. Dass die Quote der Pfandflaschen, die wiederverwendet werden, bereits von ehemals 70 % vor der Jahrtausendwende auf nun unter 50 % gesunken ist, belegt die Vermutung, dass Verbraucher aktiv einen geringeren Einfluss auf die Gestaltung ihrer Umwelt nehmen, als von Trendforschern gerne vermutet. 

Die nachwachsenden Generationen verbrauchen weiterhin Rohstoffe, bleiben aber kritisch

Der Konsument verzichtet nicht gerne auf liebgewonnene Gewohnheiten. Komfort und Unabhängigkeit stehen in allen Konsumkategorien im Vordergrund. Der Wunsch des Verbrauchers, auch seine Ernährung zusehends mobil zu organisieren und mobil zu genießen, delegiert einen großen Teil der Verantwortung für die Entsorgungsfrage von Verpackungen zurück an die Industrie. Recycling heißt das große Versprechen, das allerdings nach wie vor auch die Bereitschaft des Konsumenten voraussetzt, Recyclingsysteme "fachgerecht" zu bedienen. Auch Verpackungen für Bio-Lebensmittel werden weiterhin benötigt, solange der Konsument seine bevorzugten Produkte in erreichbarer Nähe einkaufen will. Seine Mobilität führt ihn also nicht auch automatisch zur Quelle, direkt zum regionalen Erzeuger.