Blockchain-Technologie

Digitalisierung des Mittelstandes

Blockchain-Technologie: Geschäfte virtuell steuern

Dank Blockchain-Technologie können viele Prozesse einfacher, schneller und kostengünstiger abgewickelt werden. Davon profitieren vor allem die Unternehmen.

Regelmäßig veranstaltet das European Competence Center in Neuss „Blockchain Nights“, die Energieagentur Nordrhein-Westfalen testet zusammen mit Stromversorgern Anwendungen im Markt. Im ganzen Bundesland gibt es Konferenzen und Meetings zum Thema, um interessierten Unternehmern die Möglichkeiten der Internettechnologie näherzubringen. In aller Munde ist der Begriff Blockchain bislang als die Technologie, die hinter der Kryptowährung Bitcoin steht, dessen Wertanstieg und -verfall in der letzten Zeit stark diskutiert wird. Doch Blockchain ist zunächst eine Anwendung, die Transaktionen im Internet einfacher, sicherer und schneller macht. Der Begriff beschreibt, dass Daten in Blöcken gespeichert, aneinandergereiht werden. Und Bitcoins sind nichts Anderes als Daten, die eine solche Kette verwalten. Da sie nicht zentral, sondern an unterschiedlichen Orten gespeichert werden, sind sie praktisch nicht zu manipulieren und funktionieren wie ein virtuelles Grundbuch.

Quotation mark

„Blockchain wird die deutsche Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern.“

YouGov-Umfrage

„Blockchain wird die deutsche Wirtschaft in den nächsten zehn Jahren grundlegend verändern“ – das glauben laut einer aktuellen YouGov-Umfrage 32 Prozent der Verantwortlichen im deutschen Mittelstand. Allerdings ist erst rund einem Drittel der Befragten Blockchain überhaupt ein Begriff. „Aber von allen Umfrage-Teilnehmern, die die Blockchain kennen und sich damit beschäftigt haben oder bereits nutzen, erwarten sogar 65 Prozent grundlegende wirtschaftliche Veränderungen“, sagt Stephan Zimprich vom Internet-Verband Eco. „Vorteile können theoretisch überall entstehen, wo ein Austausch von Werten und Daten stattfindet, die durch so genannte geschäftliche Vereinbarungen geregelt sind – also auch in der Arbeit mit Dienstleistern, im Handel, bei Streitfällen sowie bei der Revision und bei Überprüfungen durch Aufsichtsbehörden“, sagt Mustafa Cavus von Sopra Steria.

Lieferketten besser steuern

Noch werden mehr als 60 Prozent der B2B-Transaktionen auf dem Papier abgewickelt, so das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer Instituts FIT. Mit Blockchain können Transaktionen unabhängig davon erfolgen. Die Technologie lässt sich in der Industrie 4.0 in jedem mittelständischen Unternehmen nutzen, sagen die Experten des FIT-Blockchain-Labors in Sankt Augustin. Zum Beispiel, um Eigentumsverhältnisse zu klären und Lieferketten transparenter zu machen. Die Herkunft von Gütern nachweisen zu können, ist für Hersteller von kritischen Produkten besonders wichtig. Unechte Medikamente beispielsweise stellen für sie ein Risiko dar und natürlich für die Patienten eine Gesundheitsgefahr. Über eine Blockchain ist es jedoch möglich, Produkte fälschungssicher zu markieren. So kann direkt auf die Tabletten ein Code gedruckt werden, der die Lieferkette nachvollziehbar und transparent macht.

Transaktionen digital abwickeln

Quelle: www.energieagentur.nrw

„Smart Contracts“ sorgen für Transparenz

Die Technologie kann ebenso in der Dokumentation eingesetzt werden, beispielsweise, um den Transport von Gefahrgütern sicherer zu machen. Sie speichert, welches Fahrzeug welche Behälter benutzt, die Fahrzeugeigenschaften oder, ob der Fahrer Schulungen absolviert hat. Über die Blockchain lassen sich diese Daten im Sinne eines elektronischen Vertragsmanagements abbilden, das heißt, Regeln und Prozesse werden formal beschrieben und automatisch überwacht. So lässt sich mit „Smart Contracts“ jederzeit beweisen, ob gesetzliche Bestimmungen eingehalten werden.

Momentan befinden sich noch viele Projekte im Teststadium. Eine von T-Systems entwickelte Track-and-Trace-Methode verknüpft die Technik der Blockchain mit der von Supply Chain-Prozessen. „Wir können mit dieser Lösung eine komplette Steuerungssoftware einer Fabrik ersetzen“, sagt Stephan Verclas, Leiter Innovation Management. Insellösungen wie diese mit bestehender Firmensoftware zu verbinden, ist eine der großen Herausforderungen. Eine andere, den hohen Stromverbrauch der Technologie zu reduzieren. Zur Herstellung der Kryptowährungen wird enorm viel Rechnerleistung benötigt, um Transaktionen zu verarbeiten, Daten zu synchronisieren, und sie den Nutzern im Netzwerk zur Verfügung zu stellen.

Das alles sind Gründe, weshalb viele Verantwortliche noch abwinken, wenn es um Blockchain geht. Doch spätestens, wenn die eigenen Geschäftspartner oder Kunden die virtuelle Technologie nutzen, sollte man dabei sein.

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