Was ist Uberization of Freight?

Der Begriff „Uberization“ stammt von der amerikanischen Firma Uber Technologies Inc., die den gleichnamigen Taxi-Dienst (Uber) anbietet. Das Business-Modell identifiziert wenig ausgelastete Assets (Fahrer) und bringt Angebot und Nachfrage über einen Marktplatz zusammen. Das Besondere dabei: Uber besitzt keine eigenen Taxis und hat auch keinen einzigen Fahrer angestellt. Uber betreibt lediglich eine Vermittlungs-Plattform. Die Fahrer von Uber sind Privatpersonen, die sich als Fahrer verdingen, und ihren Fahrgästen so in der Regel einen deutlich günstigeren Fahrpreis anbieten können als herkömmliche Taxiunternehmen.

Mittlerweile haben auch Unternehmen aus der Logistik-Branche begonnen, die Effizienz von Uber zu replizieren und die „Uberization“ des Frachtgeschäfts, die „Uberization of Freight“, realisiert. Denn analog zu Mitfahrgelegenheiten für Personen können ebenso Pakete oder Gegenstände transportiert werden. Über spezielle Online-Plattformen wird dabei ungenutzter Platz in LKWs und Zügen oder auf Schiffen angeboten oder auch nachgefragt.

Möglich ist dies dank smarter Sensoren in den Laderäumen von LKW, Zügen oder Schiffen, die in Echtzeit die Kapazität jeder Ladung messen. Mittlerweile hat sich eine ganze Reihe an Start-ups wie beispielsweise Carrypicker oder Shipsta als direkte Konkurrenz zu den klassischen Frachtbörsen positioniert, die Plattformen und dazugehörige Apps für die „Uberization of Freight“ anbieten.

Vorteile der Uberization of Freight

Die „Uberization of Freight“ und die Nutzung der smarten Plattformen, die diese Art des Frachtgeschäfts überhaupt erst möglich machen, sind mit einer ganzen Reihe von Vorteilen verbunden. So schätzt das Beratungsunternehmen Accenture, dass sich über Uber-ähnliche Plattformen die Gesamtkosten in der Logistik zwischen 10 und 20 Prozent senken lassen.

Optimierte Prozesse

Uberization of Freight ermöglicht die effiziente Nutzung von Ladeflächen, Containern und anderen Lagerflächen. Leerfahrten werden reduziert, Kapazitäten optimal ausgenutzt.

Frachtverfolgung in Echtzeit

Auftraggeber können jederzeit den aktuellen Standort ihrer Fracht überprüfen. Echtzeit-Kommunikation mit Spediteuren und automatische Systemwarnungen informieren dabei auch über Abholung und Rückgabe.

Flexibilität und Zeitersparnis

Gerade die „letzte Meile“ im Transportwesen, also der Weg von den Entladestellen zu den Einzelhändlern oder Verbrauchern, nimmt nicht selten mehr als ein Viertel der Gesamttransportkosten ein. Durch eine Uber-ähnliche Plattform können Fahrer die Ware einfach beim Händler abholen und direkt an den Kunden liefern.

Vereinfachte Abrechnungen

Da Frachtvermittler nicht an der Beförderung von Gütern beteiligt sind, werden Zahlungen direkt und ohne Verzögerung an die Spediteure geleistet. Insgesamt werden Abrechnungen einfacher, denn die meisten Plattformen ermöglichen es, Rechnungen digital zu stellen und ohne Verzögerung elektronisch zu bezahlen.

Seit 2018 betreibt Amazon einen „Uber for Trucking“-Service

Der Onlineversandhändler Amazon praktiziert die „Uberization of Freight“ bereits testweise. 2018 startete Amazon eine eigene Vermittlungs-Plattform für Frachten: Unter freight.amazon.com können Unternehmen 365 Tage im Jahr rund um die Uhr nach Spediteuren mit freien Kapazitäten suchen.

Zwar befindet sich der Online-Frachtdienst des amerikanischen Onlineversandhändlers noch in der Beta-Phase und ist aktuell nur für Lieferungen zwischen Lagern in fünf US-Bundesstaaten verfügbar. Aber Amazons neues Konzept macht Druck auf die Logistik-Konkurrenz und unterbietet die bestehenden Preise am Markt um rund 30 Prozent. Man darf gespannt sein, was noch kommt.