Was ist ökologische Beschaffung?  

Eine ökologische oder nachhaltige Beschaffung soll die Einhaltung von sozialen und ökologischen Anforderungen über die gesamte Lieferkette eines Unternehmens hinweg auf Basis ökonomischer Nachhaltigkeit sicherstellen. Die ökologische Beschaffung umfasst dabei Planung, Umsetzung und Überwachung der notwenigen Instrumente und Abläufe zur Durchsetzung von Nachhaltigkeitsstandards bei Lieferanten.

Ökologischer Einkauf führt zu Wettbewerbsvorteilen

Ökologische Beschaffung führt zu Wettbewerbsvorteilen: Das bestätigte schon vor geraumer Zeit eine Studie des Kerkhoff Competence Center of Supply Chain Management (KCC) an der Universität St. Gallen und des Instituts für Demoskopie Allensbach. Eine besonders hohe Bedeutung hat die ökologische Beschaffung laut Studie bereits in sehr großen Unternehmen und bei Produzenten, die für Endverbraucher tätig sind. Für 79 Prozent der Entscheider aus der Nahrungs-, Textil- und Möbelindustrie sind ökologische Standards sehr wichtig. In der Metallindustrie und im Maschinenbau sind es dagegen nur 50 Prozent. „Die Konsumenten fragen immer stärker nachhaltige Produkte nach“, so Jens Hornstein, Partner und Leiter des Kompetenzteams Nachhaltige Beschaffung von Kerkhoff Consulting.

Früher oder später erreicht jede Branche den Endverbraucher

Der Wunsch nach sozialen und ökologischen Standards steigt laut Studie auch in Branchen, die nicht direkt für den Endverbraucher arbeiten: Diese Geschäftszweige sind laut Kerkhoff Consulting Teil anderer Wertschöpfungs- und Lieferketten, die früher oder später ebenfalls beim Endverbraucher ankommen. Dementsprechend gaben 45 Prozent der befragten Einkaufs- und Beschaffungsverantwortlichen der Studie an, dass Öko-Labels wichtig oder sogar sehr wichtig sind.

Ökologischer Einkauf: Zertifikate und Siegel

Zertifikate und Siegel zeichnen Unternehmen aus, die auf freiwilliger Basis bestimmte verbindliche Regelwerke einhalten. Diese Regelwerke betreffen Maßnahmen und Qualitätsmerkmale in den Bereichen Management, Produktgestaltung und Umgang mit Interessengruppen. Zertifikate und Siegel machen das freiwillige Engagement sichtbar und können so den Ruf eines Unternehmens nach innen und außen verbessern. Im Wesentlichen gibt es zwei Arten: Managementsysteme und Produktlabels.

Managementsysteme

Managementsysteme dienen dazu, Prozesse der Wertschöpfung zu regeln, und verpflichten das Unternehmen zu einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP). Hat ein Betrieb ein solches Managementsystem implementiert und betreibt es sorgfältig, werden er oder seine Standorte zertifiziert. Bedeutende Zertifizierungen in diesem Zusammenhang sind das „Gemeinschaftssystem für das freiwillige Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung“ (Eco-Management and Audit Scheme, kurz: EMAS) und die ISO-Norm 14001.

Produktlabels

Labels hingegen kennzeichnen die Eigenschaften eines bestimmten Produkts oder Angebots und dienen den Kunden als Signal für die Gütekontrolle. Wichtige Labels sind das Fairtrade-Label, das EU-Bio-Logo und der Blaue Engel.
 

Bild: TransFair e.V.

Die Standards hinter diesen Zertifikaten und Siegeln unterscheiden sich in ihrer Aussagekraft. Generell gilt: Wurde ein Standard von einem Unternehmen allein oder einer bestimmten Branche entwickelt, ist es mit der Glaubwürdigkeit nicht weit her. Mehr Ansehen genießen nach einem gemeinsamen Abstimmungsprozess durch mehrere Interessensgruppen entwickelte Siegel und Zertifikate. Wird außerdem die Einhaltung der Selbstverpflichtung von unabhängigen Dritten kontrolliert, kann dies das Vertrauen in den Standard zusätzlich steigern.