Durch Anwendung der Richtlinie ist es nicht nur möglich, die Potenziale hinsichtlich der Ressourceneffizienz von Produkten über deren gesamten Lebensweg hinaus zu identifizieren. Ebenso können damit Prozesse hinsichtlich ihrer Ressourceneffizienz bewertet werden. Die neue Richtlinie geht dabei weit über das klassische Umweltmanagement hinaus, da sie die großen RE-Potenziale mit Hilfe einer umfassenden unternehmensstrategischen Betrachtung von Produkten und Produkt-Service-Systemen über den gesamten Lebenszyklus aufzeigt.

Eine Richtlinie, um Risiken besser einzuschätzen

Die 2014 veröffentlichten VDI-Richtlinien 4800 Blatt 1 „Ressourceneffizienz; Methodische Grundlagen, Prinzipien, Strategien" und VDI 4800 Blatt 2 „Ressourceneffizienz; Bewertung des Rohstoffaufwands" bieten zusammen eine abgestimmte Methodik zur Bewertung von Ressourceneffizienz. Sie soll vor allem kleine und mittelständische Unternehmen dabei unterstützen, Versorgungsrisiken und rohstoffwirtschaftliche Abhängigkeiten zu analysieren.

VDI 4800 Blatt 1

VDI 4800 Blatt 1 bildet den Rahmen der VDI-Richtlinienreihe zur Ressourceneffizienz. Sie definiert und erläutert praxisnah wesentliche Begriffe und Rahmenbedingungen, methodische Grundlagen und setzt sich mit möglichen Zielkonflikten von RE auseinander. Anhand von 36 konkreten Beispielen wird gezeigt, wie sich RE-Maßnahmen in der Praxis umsetzen lassen.

VDI 4800 Blatt 2

VDI 4800 Blatt 2 beschreibt die Methodik zur Sachbilanzierung, die Analyse der Kritikalität und der Ableitung von Absicherungsmaßnahmen, gibt darüber hinaus praktische Hilfestellungen zur Auswertung und Ergebnisdarstellung. Laut VDI soll die Richtlinie Unternehmen dabei unterstützen, einzelne Stoff-, Prozess- und Produktalternativen miteinander zu vergleichen und zu beurteilen. Auch die Analyse rohstoffwirtschaftlicher Abhängigkeiten und die Frage des Versorgungsrisikos einzelner Rohstoffe sind in diesem Zusammenhang von herausragender Bedeutung. Die Ergebnisse dienen der weiteren Formulierung von Beschaffungs- und Rohstoffstrategien unter dem Gesichtspunkt der Ressourceneffizienz.

Alternative Beschaffungsstrategien

Die neue VDI-Richtlinie macht es Unternehmen einfacher, die eigene Verletzlichkeit hinsichtlich möglicher Rohstoffengpässe zu bewerten und Strategien zur Minderung des Risikos zu entwickeln. Die VDI 4800 ermöglicht es Unternehmen außerdem, den sogenannten kumulierten Rohstoffaufwand sowie Wasser- und Flächenaufwand entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu bewerten.

Zudem zeigt die Richtlinie alternative Beschaffungsstrategien auf. Dazu zählen beispielsweise langfristige, vertragliche Bindungen an Rohstoffproduzenten, die Umsetzung von Substitutionslösungen und die Sicherung der Rohstoffversorgung mithilfe entsprechender Recyclingstrategien. Versorgungsengpässen ausweichen können laut VDI 4800 auch solche Unternehmen, die vorausschauend in produkt- oder prozessbezogene Innovationen sowie in die Entwicklung neuer Geschäftsfelder investieren.

„Gerade kleine und mittelständische Unternehmen können dank der neuen Richtlinie ihre Beschaffungs- und Rohstoffstrategien unter dem Gesichtspunkt der Ressourceneffizienz entwickeln, um schwierige Rohstoffsituationen mittelfristig unbeschadet zu überstehen“, erklärt Dr. Martin Vogt, Geschäftsführer des VDI.

Die VDI-Richtlinie „Ressourceneffizienz – Bewertung des Rohstoffaufwands“ kann für aktuell rund 150 Euro im Onlineshop des Beuth Verlags bestellt werden.

Die Instrumente des VDI ZRE zur Bewertung und Darstellung von Ressourceneffizienzpotenzialen sind auf der Webseite www.ressource-deutschland.de kostenlos zugänglich.