Wie wichtig ist den Unternehmen die Digitalisierung?

Die Management- und IT-Beratung Capgemini hat für ihre internationale Studie „The Digital Supply Chain’s missing link: Focus“ von 2018 Führungskräfte aus rund 1.000 Unternehmen zur Digitalisierung ihrer Lieferkette befragt. Die zentralen Ergebnisse: 50 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass die Digitalisierung der Supply Chain eines der drei Top-Themen auf Unternehmensebene sei. Insbesondere Unternehmen aus Großbritannien (58 Prozent), Italien (56 Prozent), den Niederlanden (54 Prozent) und Deutschland (53 Prozent) bezeichnen die Digitalisierung ihrer Lieferketten als eine der höchsten Prioritäten.

Was erwarten die befragten Unternehmen von der Digitalisierung?

77 Prozent der befragten Entscheider erwarten von den Investitionen in die Digitalisierung der Supply Chain langfristig Kosteneinsparungen. 56 Prozent rechnen mit steigenden Umsätzen und 53 Prozent sehen in der Digitalisierung die ideale Unterstützung neuer Geschäftsmodelle. Und tatsächlich: Gemäß der Studie beläuft sich der Return on Investment (ROI) für die Digitalisierung von Lieferketten und Einkauf auf 18 Prozent – das ist viel im Vergleich zu Digitalisierungsinitiativen beispielsweise im Personalwesen (15 Prozent), in der IT (14 Prozent), im Kundenservice (13 Prozent) sowie im Finanz- und Rechnungswesen und in Forschung und Entwicklung (jeweils 12 Prozent). Laut Studie amortisieren sich die Kosten für die Automatisierung der Lieferkette nach durchschnittlich zwölf Monaten.

Probleme der Digitalisierung: Projekte kommen nicht über Testphase hinaus

Zwischen den Erwartungen und der Realität klafft allerdings eine deutliche Lücke, wie die Studie auch belegt. Viele Unternehmen kämpfen mit Problemen bei der Digitalisierung: 86 Prozent der befragten Unternehmen kommen mit ihren Projekten nicht über die Testphase hinaus. Von 29 digitalen Lieferkettenprojekten, die die Ideen-, Proof-of-Concept- oder Pilotphase durchlaufen, kommen gerade einmal durchschnittlich 1,4 Projekte auch zum Einsatz.

Dazu Ralph Schneider-Maul, Leiter Supply Chain Management für die DACH-Region bei Capgemini: „Die meisten großen Unternehmen haben die Potenziale der digitalen Lieferkette deutlich erkannt. Doch nur wenige haben die notwendigen Mechanismen und Verfahren implementiert, um aus dem Versuchsstadium in die operative Skalierung zu kommen.“

In der Tat: Laut Studie führen viele Unternehmen ihre Projekte durch, ohne über die dafür notwendige IT- oder physische Infrastruktur zu verfügen. Eine Erkenntnis der Befragung ist somit, dass Unternehmen sich zu viel vornehmen und die strategische Komponente vernachlässigen.

Bei der Digitalisierung ist das Management gefragt

Capgemini spricht eine klare Empfehlung aus: Unternehmen sollten sich auf drei Bereiche fokussieren. Zunächst einmal muss die Digitalisierung als wichtiges Unternehmensziel festgelegt werden. Dies erfordert eine klare Steuerung seitens der Führungsebene. Als zweiter Bereich folgt der Auf- und Ausbau der Digitalisierungsmaßnahmen. Dabei ist es wichtig, dass alle vor- und nachgelagerten Partner wie zum Beispiel Lieferanten eingebunden werden. Letzter wichtiger Aspekt laut Capgemini: die Aktivierung und das „Dranbleiben“. Unternehmen sollten keine Scheu vor Investitionen haben, um die Schlüsselbereiche am Laufen zu halten.

„Die Unterstützung des Managements ist enorm wichtig zur Identifizierung und Investition in die richtigen Projekte, die wirklich zu Verbesserungen führen können. Statt einer Kostenstelle kann die Lieferkette eine Quelle der Innovation und Effizienz für das gesamte Unternehmen sein“, meint dazu Rob Burnett, CIO Global Supply Chain & Engineering bei GE Transportation.

Fazit

Die Unternehmen haben mit zahlreichen Problemen bei der Digitalisierung zu kämpfen. Doch viele Firmen nehmen die Herausforderung an, weil sie um die Vorteile der digitalisierten Lieferkette wissen. Es fehlt allerdings häufig an einer festen Marschroute und daher an einer effektiven Skalierung – beides entscheidende Faktoren für die erfolgreiche Digitalisierung der Supply Chain.