Welche Herausforderungen kommen 2020 auf den Einkauf zu?

Weltweite Krisenherde erschweren die Beschaffung, Lieferketten sollten auf Nachhaltigkeitsaspekte überprüft werden und der Fachkräftemangel verschärft die Suche nach geeignetem Personal. Das sind nur einige der Herausforderungen, denen sich Einkäufer 2020 stellen müssen. Zudem rückt die Kernkompetenz des Einkäufers wieder in den Mittelpunkt, denn aufgrund verschiedener Faktoren lassen sich jetzt durch Verhandlungen mit Bestandslieferanten oder neuen Partnern bessere Konditionen erzielen.

Natürlich gilt es auch weiterhin, durch die Möglichkeiten der Digitalisierung Prozesse zu optimieren. Und nicht zuletzt kann auch der Brexit für Unternehmen, die sich im Vereinigten Königreich engagieren, einschneidende Folgen haben. Sorgfältige Planung ist trotz der Übergangsphase bis Ende 2020 unabdinglich, um Risiken zu vermeiden.

Aus all den Herausforderungen, die auf die Beschaffung zukommen, lassen sich Trends ableiten, die Einkäufer 2020 auf dem Radar haben sollten. Basis für diese Tendenzen sind Analysen der Kloepfel Consulting sowie des Software-Anbieters Ivalua.

Das sind fünf wichtige Beschaffungstrends für 2020

1. Beschaffungskosten optimieren

An der Stellschraube der Einkaufskosten zu drehen, ist nie verkehrt – doch 2020 kann es sich richtig lohnen. Zum einen sind die Rohstoffpreise zuletzt gefallen, zum anderen halten Zulieferer in vielen Bereichen nach Neukunden Ausschau, da durch Auftragsrückgänge Produktionskapazitäten frei geworden sind. Teils hohe Rabatte von mehr als zehn Prozent sind die Folge. Somit müssen sich auch Bestandslieferanten vermehrt auf Neuverhandlungen einlassen, um wettbewerbsfähige Konditionen anzubieten. Einsparungen von drei bis fünf Prozent sind allein in diesem Bereich möglich.

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Zum einen sind die Rohstoffpreise zuletzt gefallen, zum anderen halten Zulieferer in vielen Bereichen nach Neukunden Ausschau, da durch Auftragsrückgänge Produktionskapazitäten frei geworden sind. Teils hohe Rabatte von mehr als zehn Prozent sind die Folge.

Darüber hinaus bergen die indirekten Beschaffungskosten erhebliches Potenzial für eine Kostensenkung. Denn für 74 Prozent der Industrieunternehmen ist der Teilepreis maßgebliches Auswahlkriterium für Lieferantenentscheidungen, ergab eine Studie des Beratungsunternehmens Emporias. Einkaufsgemeinschaften können hier hilfreich sein, um die Einkaufsvolumina zu vergrößern und entsprechend von Einspareffekten zu profitieren.

2. Supplier Conventions besuchen

Auch der zweite Trend trägt unter anderem zur Minimierung der Beschaffungskosten bei: Bei sogenannten Supplier Conventions, das sind Foren für den persönlichen Austausch zwischen Einkäufern und Zulieferern, werden Lieferanten und deren Entscheider zu Veranstaltungen des Kunden eingeladen. Neben Preisverhandlungen sollen auf den oft mehrtägigen Events auch gemeinsame Ideen zur effektiveren Zusammenarbeit entwickelt werden. Ein Beispiel: Der Handelskonzern Metro lud im September 2019 rund 1.000 Partner und Lieferanten für zwei Tage in eine seiner Filialen, um über die neuen Schwerpunkte und Strategien von Metro zu berichten und die Zusammenarbeit neu auszurichten.

3. Einkauf digitalisieren

Nur 16 Prozent der Beschaffungsabteilungen in Deutschland verfügten laut einer Forrester-Studie aus dem April 2019 über einen hohen Grad an digitaler Reife. Andere Länder wie Frankreich und England sind auf diesem Gebiet fortschrittlicher. Wer 2020 die Digitalisierung im Unternehmen vorantreibt, kann Wettbewerbsvorteile generieren. Denn klar ist: Wer seine Produkte digital bestellt oder sogar digital konfiguriert, verursacht weniger Kosten und kann dementsprechend Nachlässe bekommen. Der Trend zur digitalen Prozessoptimierung ist bereits erkennbar, denn immer mehr Unternehmen wollen Partnerschaften mit spezialisierten Einkaufssoftware-Anbietern abschließen.
 

4. Outsourcing operativer Einkaufstätigkeiten

Das Outsourcing von Aufgaben an externe Dienstleister ist ein beliebtes Mittel der Kostensenkung. Vor allem operative Einkaufstätigkeiten werden immer öfter ausgelagert. Der Vorteil: Personelle Fixkosten werden variabler und lassen sich der Auftrags- bzw. Wirtschaftslage besser anpassen. Spezialisierte Dienstleister kümmern sich um Auftragsbestätigungen, das Prüfen von Rechnungen, das Aufbereiten der E-Kataloge oder die Stammdatenpflege. Strategische Einkaufsaufgaben wie Ausschreibungen oder Verhandlungen verbleiben dagegen noch oft in den Händen der Einkaufsabteilung.

Sparen Sie sich eine aufwendige Lieferanten-Recherche: Mithilfe des kostenfreien Services wlw Connect können Einkäufer eine Anfrage an potenzielle Anbieter verfassen – und erhalten nur wenige Tage später eine Liste mit interessierten Lieferanten.

5. Risikomanagement der Supply Chain

Konflikte im Nahen Osten, Handelssanktionen der USA gegen einzelne Länder und Unternehmen, der Brexit oder auch innerdeutsche Streiks: Einkäufer sollten ganz genau darauf achten, in welchen Ländern und Regionen sie aktiv sind. Ganzheitliches Supply-Chain-Risikomanagement wird wichtiger denn je, um auf Ausfälle reagieren zu können. Neben den genannten Risiken fallen auch Gesichtspunkte wie Compliance, Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit in diesen Bereich. Denn ein Frühwarnsystem kann auch dazu beitragen, soziale und ethische Standards zu gewährleisten. Zudem rücken Gefährdungen durch Hackerangriffe oder Industriespionage 2020 vermehrt ins Bewusstsein der Supply-Chain-Verantwortlichen.