Elektromobilität kommt bei den Nutzfahrzeugen an

Die Elektromobilität hat sich in den vergangenen Jahren von einem Thema für Enthusiasten zu einem Massenmarkt entwickelt. Neben kleineren Personenkraftwagen sind inzwischen auch leichte Nutzfahrzeuge und Infralogistik-Lösungen auf dem Markt verfügbar. Mit Daimler Benz, MAN und Tesla sowie mehreren Anbietern aus dem asiatischen Raum, kommen mittlerweile auch seriengefertigte Lastwagen auf die Straße. Für bestimmte Segmente bilden die elektrischen Trucks schon jetzt eine interessante Alternative zum Dieselmotor.

Das wichtigste Argument für die elektrisch betriebenen Fahrzeuge ist der schadstofffreie Fahreinsatz in dicht besiedelten Gebieten. Hier haben elektrische Lieferwagen bereits gezeigt, dass sie auf „der letzten Meile“ eine Daseinsberechtigung haben. Neben DHL und der Deutschen Post haben inzwischen auch UPS und FedEx in den Großstädten der USA und in einigen Ländern Europas Elektroautos im Einsatz. Auch der deutsche Mittelstand steht unter Strom: So sorgt das Unternehmen StreetScooter seit 2010 für blitzschnelle Logistiklösungen, die gerade in Innenstädten beliebt sind. Kein Wunder also, dass das innovative Unternehmen seit 2014 als StreetScooter GmbH zu Deutsche Post DHL Group gehört.

Bleiben bestimmte Bereiche dem Diesel vorbehalten?

„Für die klassische Langstrecke wird der technologisch hoch entwickelte Dieselmotor vorerst ohne Alternative sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der MAN SE, Joachim Drees, 2017 auf einem Zukunftskongress in Berlin und in verschiedenen Presseinterviews – obwohl auch seine Firma bereits für 2019 einen elektrischen Lkw angekündigt hat. Damit bringt er strukturelle Probleme der heutigen Elektromobilität auf den Punkt. Einerseits eröffnet die Technologie Möglichkeiten, Märkte und Einsparungspotenziale. Andererseits lassen sich die elektrischen Fahrzeuge nicht ohne Weiteres in jede momentan bestehende Betriebsstruktur integrieren.

Ein Dieselmotor ist vor allem dann wirtschaftlich, wenn er lange und gleichmäßig läuft. Sobald es um den Liefer- und Stadtverkehr geht, sieht das genau anders aus. Hier kranken die Aggregate an den langen Standzeiten, fehlender Betriebstemperatur und geringer Auslastung. Die Folge sind Verschleiß und bedenkliches Abgasverhalten.

In der Innenstadt sind Elektrofahrzeuge unschlagbar

In der City haben elektrische Fahrzeuge den größten Vorteil. Im Auslieferverkehr sind geringe Strecken zurückzulegen, die mit Standzeiten einhergehen. Die Reichweiten zwischen 40 und 150 Kilometer sind dafür ausreichend. Aufgrund der starken Schadstoffbelastung in Innenstädten und der fortschreitenden Urbanisierung wird es auf mittlere Sicht zu Einschränkungen für Verbrennungsmotoren kommen.

Andererseits haben elektrisch betriebene Fahrzeuge viel höhere Ansprüche an die Infrastruktur. Eine Flotte von Elektrowagen muss mit Ladeinfrastruktur hinterlegt werden. Zwar reicht zum Laden eine 230-Volt-Netzsteckdose, doch dann dauert die Ladung der Fahrbatterien mehrere Stunden. Schneller geht es mit Schnellladestationen, die mit 380 Volt arbeiten und in 40 bis 60 Minuten die Batterien laden. Jede dieser Ladestationen kostet einen vierstelligen Betrag –vorausgesetzt, der örtliche Stromanschluss kann die Last der ladenden Fahrzeuge bedienen.

Für die Langstrecke und die Ad-hoc-Fracht sind sicherlich auch diese Ladezeiten schon zu lang, zumal mitnichten auf jeder Raststätte eine Ladestation zur Verfügung steht. In den kommenden Jahren wird hier – trotz entsprechender Modellprojekte der Verkehrsministerien – die Infrastruktur schwächer ausgebaut, als der Bedarf wächst.

Niedrige Wartungskosten und gute PR

Diese infrastrukturellen Zwänge und hohe Anschaffungskosten schmälern trotz der Elektro-Prämie der Regierung die Attraktivität der neuen Technologie für Logistiker. Dafür fallen die Lebenszykluskosten für die Strom-Trucks geringer aus. Da sich in den Motoren wenige Teile bewegen, sind die Laster zuverlässiger und stehen weniger in der Wartung. Der aktuelle Strompreis kann mit dem Benzinpreis konkurrieren. Bislang laden Fahrzeuge an öffentlichen Stationen oftmals kostenlos oder vergünstigt. Diese Vorteile lassen sich aber nicht wirklich generalisieren und können daher kaum in eine sinnvolle Modellrechnung einbezogen werden.

Ein weiterer Vorteil ist der Imagefaktor. Fortschritt und Nachhaltigkeit lassen sich im Marketing gut einsetzen und machen Ihre Logistik und die Lieferkette deutlich sympathischer. Doch es gibt zwei Seiten der Medaille. Aufgrund der seltenen Erden, die zur Herstellung der Fahrbatterien benötigt werden, kann die Nachhaltigkeit der Werkstoffe problematisch sein. Gleiches gilt für den Strom, so lange wie Deutschland einen wesentlichen Teil seiner Elektrizität aus der Verstromung von Kohle gewinnt.

Die rein elektrischen Fahrzeuge haben Konkurrenz. Platooning auf der Langstrecke und hybride Antriebsarten mit Wasserstoff, Gas oder Strom aus der Oberleitung auf Autobahnen versprechen ebenfalls Einsparungen an Kosten und Abgasen. Es sind individuelle Firmenlösungen, die den Erfolg versprechen.

Die gesamte Fahrzeugflotte auf elektrische Autos umzustellen, ist nur für bestimmte Zwecke sinnvoll. Die Umstellung auf Elektro kann sich auf der anderen Seite für Teile der Flotte rechnen und lässt sich vor allem für Firmen im urbanen Umfeld sehr positiv kommunizieren. Mitunter ist die Kombination von verschiedenen Antriebsarten eine gute Lösung in Richtung Elektromobilität.

  • Elektromobilität ist bei den Nutzfahrzeugen angekommen.
  • Diese ist mit hohen Anschaffungskosten verbunden.
  • Ein Vorteil sind günstigere Lebenszykluskosten sowie ein positives Image.
  • Für die Elektrotrucks muss eine Infrastruktur geschaffen werden.
  • In der Stadt und auf der Kurzstrecke sind Elektrotrucks wettbewerbsfähig.
  • Auf der Mittel- und Langstrecke bieten sich andere Konzepte an.