Veganer Standard bei Verpackungsherstellung zu 99 Prozent möglich

Laut einer Statista-Erhebung ordneten sich 2020 bereits 1,13 Millionen Deutsche als Veganer ein oder als Menschen, die weitgehend auf tierische Produkte verzichten. Dieser im Verlauf der vergangen Jahre stetig steigende Teil schließt bei seinem Verzicht oftmals nicht nur Nahrungsmittel mit ein, sondern auch andere Konsumbereiche wie Kleidung oder Kosmetika.

Verpackungen nehmen bei der veganen Betrachtungsweise noch eine Nebenrolle ein. Allerdings erfahren immer mehr Hersteller aus der Branche eine erhöhte Nachfrage nach veganen Verpackungen. Was viele nicht wissen: Als vegan gekennzeichnete Produkte dürfen durchaus in herkömmlichen Kartons verpackt werden, die Material tierischen Ursprungs erhalten. Das V-Label, ein einheitliches Gütesiegel zur Kennzeichnung von vegetarischen und veganen Produkten sowie Dienstleistungen, gilt nur für den Inhalt, nicht für die Bestandteile der Verpackung. Das bedeutet beispielsweise, dass ein veganes Produkt in einem Pappkarton mit Kleber aus Knochen trotzdem noch das V-Label tragen darf.

Dabei wäre ein nahezu vollständiger Verzicht auf Hilfsstoffe tierischen Ursprungs durchaus möglich, denn ein veganer Standard ist bei der Verpackungsherstellung bereits zu 99 Prozent zu erreichen. Industriepapiere können prinzipiell frei von tierischen Erzeugnissen sein, ebenso industriell hergestellte Druckfarben. Auch bei Leimen und Klebstoffen gibt es Varianten, die einem veganen Standard entsprechen. Allerdings können Tierversuche für die Weichmacher bei synthetischen Klebern nicht gänzlich ausgeschlossen werden.
 

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In diesen Verpackungsteilen findet sich Material tierischen Ursprungs

Die meisten Verpackungen, vor allem die Etikettierungen, kommen nicht ohne irgendeine Form von Klebstoff aus. Und dieser ist in vielen Fällen tierischen Ursprungs. So werden Leime oft mit Glutin hergestellt. Dieses Eiweißgemisch wird durch Auskochen von Tierknochen, -knorpel und -häuten gewonnen. Und auch das Bindemittel Kasein, das aus Kuhmilch gewonnen wird, steckt in manchen Klebstoffen und Farben.

Druckfarben, Lösungsmittel und Lacke können ebenfalls tierische Bestandteile aufweisen. Offiziell zertifizierte vegane Druckfarben sind am Markt nicht erhältlich, da sich nicht mit letzter Gewissheit sagen lässt, ob nicht einige Komponenten in der Vergangenheit zumindest an Tieren getestet wurden. Denn auch der Verzicht auf Tierversuche sowie auf tierische Hilfsmittel während des Produktionsprozesses sind Voraussetzung für vegane Verpackungen.

Vegane Verpackungen als Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie?

Die Verwendung veganer Verpackungen bedeutet nicht automatisch ein höheres Maß an Nachhaltigkeit. So sind etwa Recyclingmaterialien, die vollständig aus Altpapier hergestellt wurden, maximal nachhaltig, da natürlich abbaubar. Aber sie sind nicht automatisch vegan, da durchaus tierische Erzeugnisse enthalten sein können. Und auch weitgehend vegane Druckfarbe ist nicht automatisch umweltfreundlich. Ob Farben auf Pflanzenölbasis ökologisch unbedenklicher sind als Druckfarben auf Mineralölbasis, ist nicht endgültig geklärt.

Wer im Verpackungssegment also auf Nachhaltigkeit achten will, sollte daher eher auf folgende Aspekte Wert legen:
 

  • die Verwendung von schwermetallfreien Druckfarben
  • die Verwendung alternativer Materialien wie Rockpaper, Papiere aus Grasfasern, Agrarabfällen oder Baumwollfasern
  • die Nutzung von Ökostrom
  • CO2-neutraler Versand