Was zählt zu den Lagerhaltungskosten?

Ob produzierende Unternehmen oder Online-Shops – viele Betriebe benötigen ein Lager, um ihre Güter aufzubewahren. Dieses verursacht Kosten: Für den Raum, die Fördermittel, benötigtes Material und vieles mehr. Hinzu kommen Personalkosten und sogenannte Opportunitätskosten, die die Kapitalbindung der gelagerten Ware umfassen.

Alle diese Kosten, die für die Bereithaltung von Lagerkapazitäten anfallen, zählen zu den Lagerhaltungskosten, auch Lagerkosten genannt. Sie sind die Berechnungsbasis für fast alle anderen Lagerkennzahlen.

Generell zu unterscheiden sind Fixkosten, die relativ stabil bleiben (Miete, Abschreibungen) und variable Lagerkosten, die stark von der Intensität der Lagernutzung abhängen (Lagertransporte, Zinsen für das durch die gelagerte Waren gebundene Kapital).

In der Industrie umfassen die Lagerhaltungskosten etwa die Hälfte der gesamten Logistikkosten, im Groß- und Einzelhandel liegt der Anteil sogar oft noch deutlich darüber. Insofern beinhaltet ihre Optimierung ein beträchtliches Rationalisierungspotenzial.

Für die Berechnung eignen sich ERP-Systeme mit integrierter Kostenstellenrechnung. Auch etliche Warenwirtschaftssysteme können die Lagerkosten automatisiert ermitteln.

Wichtige Kennzahlen: Lagerkostensatz und Lagerintensität

Um die Lagerhaltungskosten zu überblicken, helfen Kennzahlen. Die wichtigsten sind die Lagerintensität und der Lagerkostensatz.

  • Lagerintensität (auch Vorratsintensität genannt): Diese Kennzahl zeigt auf, wie viel Kapital in Form des Lagerbestands gebunden ist, also auf welchen Betrag sich der Wert der im Lager befindlichen Waren summiert. Je größer dieser Betrag, desto mehr leidet die Liquidität und Rentabilität des Unternehmens. Anhand eines prozentualen Werts lässt sich über zeitliche Perioden oder gemessen an branchenüblichen Daten ein Vergleich ermitteln. Die Berechnung der Lagerintensität erfolgt nach folgender Formel: 

Wert der im Lager befindlichen Waren x 100 / Gesamtvermögen = Lagerintensität in Prozent

  • Lagerkostensatz: Diese Kennzahl macht deutlich, wie viel die Lagerung der Waren kostet – und zwar im Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand. Die Berechnung des Lagerkostensatzes erfolgt nach folgender Formel:

Gesamtkosten des Lagers x 100 / durchschnittlicher Lagerwert = Lagerkostensatz in Prozent

Mithilfe des Lagerkostensatzes können auch die Lagerkosten pro Einzelstück berechnet werden. Ein Beispiel: Der Einkaufspreis eines Produktes beträgt 100 Euro, der errechnete Lagerkostensatz liegt bei 25 Prozent. Dann belaufen sich die Lagerkosten pro Produkt auf 25 Euro für den berechneten Zeitraum.
 

So lassen sich Lagerhaltungskosten senken

Um die Lagerhaltungskosten zu senken, sind folgende Maßnahmen möglich:

  • Lagerbestand kontrollieren: Der Lagerbestand lässt sich anhand weiterer Kennziffern kontrollieren. Wichtig sind in diesem Zusammenhang die Kenntnisse über den Minimalbestand, den Meldebestand sowie den Maximalbestand. Diese Parameter machen deutlich, ob auf der einen Seite ausreichend Produkte verfügbar sind, um auf Bestellungen adäquat reagieren zu können. Auf der anderen Seite zeigen sie, ob bevorratete Artikel nicht zu viel Kapital binden.
  • Lagerbereinigung: Sogenannte Lagerhüter, also Produkte, die aufgrund von Branchen- und Nachfrageveränderungen sehr lange im Lager liegen, sollten günstig verkauft oder sogar entsorgt werden, da deren Verkaufs- oder Verwertungswert kontinuierlich sinkt – nicht aber die Lagerkosten. Dies lohnt sich vor allem bei Produkten mit einem hohen Bestandswert.
  • Just-in-Time-Beschaffung: Bei der Just-in-Time-Produktion werden die Materialien erst dann geliefert, wenn ein Produkt von einem Kunden in Auftrag gegeben wird. Das spart Lagerkosten, birgt aber das Risiko von Lieferausfällen und sorgt für längere Lieferzeiten.
  • Dropshipping: Beim Dropshipping wird auf das eigene Einlagern von Produkten verzichtet. Online-Bestellungen werden an den Großhändler weitergeleitet, der sich  um den direkten Versand an den Kunden kümmert. Dieses Konzept eignet sich allerdings nur für verkaufsfertige Produkte und nicht etwa für Rohstoffe, Hilfsstoffe oder Teilkomponenten.