Stilllegung der Produktion und Reisebeschränkungen

Das Coronavirus bedroht nicht nur Menschenleben, sondern hat mittlerweile auch erhebliche Auswirkungen auf die globalen Lieferketten. Denn um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern, wurden im Ausgangsland der Epidemie harte Maßnahmen getroffen: Mehrere Konzerne haben ihre Produktion in China aufgrund der von Regierungsseite auferlegten Quarantänemaßnahmen stilllegen oder zumindest stark einschränken müssen.

Zudem konnten Arbeiter und Angestellte aufgrund von Reise- und Transportbeschränkungen ihre Arbeit nicht wie geplant aufnehmen. Diese Restriktionen führten zu Verzögerungen bei der Kundenbelieferung sowie höherer Lagerhaltung.

Welche Branchen- und Fachmessen 2020 aufgrund des Coronavirus abgesagt oder verschoben wurden, erfahren Sie hier.
 

Auswirkungen auf die Supply Chain: Apple und Automobilindustrie leiden

Als prominentes Beispiel für die Auswirkungen des Coronavirus auf die Supply Chain dient der Hard- und Softwareentwickler Apple: Die Epidemie beeinträchtigt sowohl die Nachfrage der chinesischen Kunden als auch die Produktionsmöglichkeiten im Land. China ist einer der größten Märkte für Apple und der Hauptstandort, an dem Geräte wie das iPhone hergestellt werden. Da die Fabriken lange stillstanden und auch die künftige Produktion nicht gesichert ist, werde es weltweit zu einem Mangel an iPhones kommen, ließ der Konzern seine Anleger wissen.

Auch die Lieferketten anderer Industriezweige wie der Medizin kommen ins Wanken, da viele Komponenten für pharmazeutische Produkte in China produziert werden. Vor allem aber die Autoindustrie ist gefährdet, da China der größte Absatzmarkt für Neuwagen und zugleich wichtiger Standort für Hersteller und Zulieferer ist. Zu den exportieren Fahrzeugteilen zählen beispielsweise Fahrgestelle, Bremsen, Elektronik und Räder. Unter den deutschen Autobauern sind unter anderem VW, Audi oder BMW betroffen. Die chinesischen Pkw-Verkaufszahlen für die ersten beiden Februarwochen zeigten einen drastischen Rückgang von 92 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

 

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Lösungen für den Einkauf

Welche Maßnahmen lassen sich ergreifen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus so gering wie möglich zu halten? In vielen der betroffenen Unternehmen werden Task-Force-Einheiten gebildet, die mögliche Störungen der Lieferketten schnell aufspüren und zeitnah beheben sollen, teilte der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) mit.

Doch nicht immer lassen sich diese Störungen aus der Welt schaffen. Besteht die Gefahr, dass die Lieferketten dauerhaft nicht reibungslos funktionieren, sollten Einkäufer die Situation vor Ort detailliert analysieren und nach Empfehlung des BME folgende Maßnahmen ergreifen:
 

  • Ausmaß und mögliche Dauer der Epidemie abschätzen
  • Darauf basierend eine Einschätzung vornehmen, wie lange auf ausbleibende oder sich verzögernde Sendungen von Rohstoffen und Produktionsmaterial ohne größere finanzielle Einbußen gewartet werden kann
  • Prüfung alternativer Verkehrsträger, um Transportausfällen oder -verzögerungen rechtzeitig entgegenzuwirken
  • Alternative Lieferquellen erschließen
     

Fazit: Dual-Sourcing-Strategie in Betracht ziehen

Um für ähnliche Szenarien künftig besser gewappnet zu sein, sollten Unternehmen sowohl ihre Lieferantenstruktur einer grundlegenden Analyse unterziehen als auch das Bestandsmanagement der für die Produktion notwendigen Rohstoffe und Komponenten. Dabei stellt sich die Frage, ob bei globalen Lieferketten größere Lagersicherheitsbestände und ein zweiter Lieferant notwendig sind. Eine solche Dual-Sourcing-Strategie ist in der Regel zwar teurer, ergeben sich aber Probleme, überwiegt der Nutzen. Eine Investition in professionelles Lieferantenrisikomanagement rechnet sich dann schnell.