Nachhaltige Beschaffung wird von den Verbrauchern initiiert

Die Nachhaltigkeit im Einkauf und über die gesamte Lieferkette hinweg gewinnt seit Jahren an Bedeutung. Produkte und Dienstleistungen so zu beschaffen, dass sie von der Herstellung bis zur Entsorgung ökologischen und sozialen Standards genügen, ist nicht nur Selbstzweck, sondern kann auch Wettbewerbsvorteile bringen. Denn weltweit achten Verbraucher zunehmend darauf, welche Auswirkungen das Handeln der Unternehmen auf die Umwelt hat. Und sie sind immer öfter bereit, mehr für nachhaltige Produkte zu bezahlen.

Auch für B2B-Unternehmen ist ein nachhaltiger Einkauf wichtig, selbst wenn sie nur als Zwischenstation auftreten. Denn trotzdem sind sie Teil einer Wertschöpfungs- und Lieferkette, die letztendlich bei den Endverbrauchern ankommt und von diesen im Ganzen auf Nachhaltigkeitsfaktoren untersucht wird. Wie eine Umfrage aus dem Jahr 2019 ergab, interessieren sich bereits über die Hälfte der Deutschen (57 Prozent) stark für das Thema Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit im Einkauf für Chemiebranche der entscheidende Faktor

In der Chemiebranche scheint eine nachhaltige Beschaffung sogar von elementarer Bedeutung zu sein. Das legt eine Studie des Beratungsunternehmens Camelot Management Consultants nahe, das dafür rund 200 Manager aus großen und mittelgroßen Chemieunternehmen in Deutschland befragte. Für die Führungskräfte ist der nachhaltige Einkauf der entscheidende Faktor, um die Herausforderung „Treibhausgasneutralität“ erfolgreich zu meistern und erwartete Wettbewerbsnachteile durch die Energiewende zu kompensieren. Das unterstreicht die folgende Zahl: 63 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, auch bei sinkenden Margen an Nachhaltigkeitszielen festhalten zu wollen.

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63 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, auch bei sinkenden Margen an Nachhaltigkeitszielen festhalten zu wollen.

Qualität nachhaltiger Rohstoffe wird positiv bewertet

Einkäufer in der Chemiebranche machen die Wahl des Lieferanten bereits heute stark von nachhaltigen Bewertungsfaktoren abhängig. Dazu zählen vor allem:
 

Mit der Qualität nachhaltiger Rohstoffe sind rund zwei Drittel der Teilnehmer zufrieden. Auch die Kundennachfrage nach solchen Produkten ist für 57 Prozent der Befragten bereits mindestens zufriedenstellend. Einzig die Verfügbarkeit nachhaltiger Rohstoffe wird von der Hälfte als ausbaufähig oder schlechter bewertet.

Raum für Verbesserungen birgt auch die Verwendung recycelter Kunststoffe. Nur knapp ein Viertel der Studienteilnehmer gab an, auf solche wiederaufbereitete Materialien zu setzen.
 

Ungenutzte Potenziale bei Einkäufern

Viele der Studienteilnehmer sehen zudem ungenutzte Potenziale im Einkauf, die sinkende Margen durch das Festhalten an Nachhaltigkeitszielen ausgleichen könnten. Der Umfrage nach könnten Einkäufer vermehrt ...
 

  • … als Marktbeobachter tätig sein, zum Beispiel durch Preis- und Nachfrageinformationen (77 Prozent).
  • … als Informationsquelle dienen, zum Beispiel bezüglich Wettbewerbern und neuen Märkten (73 Prozent).
  • … Indikator für ökonomische Zyklen sein, um Auf- oder Abschwünge vorherzusehen (63 Prozent).
  • … sich als Technologiescout für Produkt- oder Prozessinnovationen einbringen.
     

Nachhaltigkeit im Einkauf dient nicht nur dem guten Gewissen

Was für die Chemiebranche gilt, trifft sicherlich auch in anderen Branchen zu: Nachhaltige Beschaffung ist nicht nur gut für die Umwelt, die Gesellschaft und das eigene Gewissen, sondern nutzt auch dem Unternehmen im Hinblick auf Kosten, Umsatz und Innovation. Wer nachhaltig einkauft, kann von folgenden Vorteilen profitieren:
 

  • Abgrenzung gegenüber der Konkurrenz
  • Imagegewinn
  • Ermöglichung neuer Geschäftsbeziehungen durch „grüne“ Standards
  • reduzierte Einkaufspreise durch optimierte Fertigungsprozesse, etwa mittels ressourcenschonender Produktion
  • Risikominimierung von direkten Kosten oder negativen Einflüssen auf den Markenwert, die etwa bei Rückrufaktionen wegen umweltschädlicher Produkte entstehen