Key Facts des Gartner Reports

Ständige Anpassung wird in Zukunft die Steuerung von Lieferketten bestimmen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei digitale Technologien. Sie sind ein wichtiger Hebel für Wettbewerbsvorteile. Das ist eine Kernaussage aus dem aktuellen Gartner Report. Gartner ist ein US-Beratungsunternehmen, das auf Marktforschung und Analysen aus dem IT-Bereich spezialisiert ist.

Aus ihrer Arbeit leiten die Autoren insgesamt acht wesentliche Trends ab, die Supply-Chain-Manager in den kommenden fünf Jahren zunehmend beschäftigen dürften. Gartner empfiehlt, Lieferketten und deren Organisation daraufhin anzupassen.

Das sind die acht Lieferketten-Trends bis 2023

Trend 1: Hyperautomation

Mit Hyperautomation ist eine Art Rahmen für digitale Technologien gemeint. Diese verbindet er als Framework miteinander und fördert so ihre Zusammenarbeit. Damit ist beispielsweise die Verknüpfung älterer, historisch gewachsener IT-Plattformen (Legacy-Plattformen) mit modernen Tools möglich. Dank Fähigkeiten wie maschinellem Lernen lassen sich damit komplexe Prozesse in der Lieferkette automatisieren. Damit geht diese Technologie über Lösungen wie Robotic Process Automation (RPA) hinaus.

Trend 2: Digital Supply Chain Twin (DSCT)

Darunter ist ein digitales Abbild einer physischen Lieferkette zu verstehen. Sie wird aus allen relevanten Daten entlang der Lieferkette und ihrer Betriebsumgebung abgeleitet. Das Ergebnis ist ein detailliertes Simulationsmodell einer tatsächlichen Supply Chain. Auf diese Weise können Analysten das Verhalten einer Lieferkette verstehen, abnormale Situationen vorhersagen und einen Aktionsplan ausarbeiten. Dazu sagt Christian Titze, Vice President Analyst bei der Gartner Supply Chain Practice: “DSCTs fördern eine immer stärkere Verschmelzung von digitaler und physischer Welt.” Damit unterstützten sie das Supply Chain Management bei wichtigen strategischen Überlegungen. Allerdings stehe diese vielversprechende Technologie noch am Anfang.

Trend 3: Continuous Intelligence (CI)

Continuous Intelligence ist ein Instrument, mit dem die Analyse aller Arten von Daten in Echtzeit möglich ist. Das Verfahren kombiniert Daten und Analysen mit Transaktionen und nutzt dabei Technologien wie erweiterte Analyse und maschinelles Lernen, um menschliches Eingreifen in Systeme wie Lieferketten zu verringern. Unternehmen können mit diesem Tool schneller digitale Anwendungen und Dienste bereitstellen, sich vor Sicherheitsbedrohungen schützen und ihre Geschäftsprozesse in Echtzeit anpassen.

 


Trend 4: Supply Chain Governance (SCG)

Supply Chain Governance ist ein System aus Regeln, Strukturen und Institutionen, das Lieferketten durch Richtlinien und Vorschriften steuert, kontrolliert und zu mehr Effizienz führen soll. Es hilft, (globale) Risikoereignisse zu identifizieren und Sicherheitsverletzungen in Unternehmen sowohl auf digitaler als auch auf physischer Ebene zu erkennen. Gartner erwartet hier eine Welle neuer Lösungen, insbesondere in den Bereichen Datenschutz sowie Cyber- und Datensicherheit.

Trend 5: Edge Computing

Das Internet of Things (IoT) gewinnt immer mehr an Bedeutung. Dabei sorgen Edge Computing und Analytics dafür, dass IoT-Daten mit geringer Latenz und automatisiert verarbeitet sowie ausgewertet werden. Edge Computing hält gerade Einzug in die Fertigungsindustrie. Beispielsweise setzen damit bereits manche Unternehmen fahrerlose Gabelstapler für ihre Lager ein. Verkäufer von Schwermaschinen können mithilfe von Edge Computing analysieren, wann ein Teil gewartet oder ausgetauscht werden muss.

Trend 6: Artificial Intelligence (AI)

AI beziehungsweise Künstliche Intelligenz (KI) “steckt bereits in vielen Lösungen und entwickelt ständig mehr Fähigkeiten”, sagt Titze. Die Technologie kann in der Logistik Planungsaufgaben übernehmen, Lagerkapazitäten optimieren und Netzwerke von Stakeholdern in Lieferketten besser miteinander vernetzen und steuern.

Trend 7: 5G-Netzwerke

Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist der Kommunikationsstandard 5G ein enormer Fortschritt in Bezug auf Datengeschwindigkeit und Verarbeitungsfähigkeiten. Die Allgegenwart von 5G erhöht das Potenzial für Lieferketten. Zum Beispiel kann das Ausführen eines 5G-Netzwerks in einer Fabrik die Latenz minimieren sowie Echtzeit-Sichtbarkeit und IoT-Funktionen verbessern.

Trend 8: Immersive Experience

Immersive Experience-Technologien wie virtuelle, erweiterte und gemischte Realität (z. B. Augmented Reality) können die Entwicklung des Supply-Chain-Managements radikal beeinflussen. Diese neuen Interaktionsmodelle erweitern die menschlichen Fähigkeiten. „Unternehmen sehen die Vorteile bereits in Anwendungsfällen wie der Einbindung neuer Fabrikarbeiter durch Schulungen am Arbeitsplatz in einer sicheren, realistischen virtuellen Umgebung“, so Titze.