Was ist Global Sourcing?

Global Sourcing oder globale Beschaffung ist eine Beschaffungsstrategie, bei der Ressourcen, Materialien und Vorprodukte weltweit beschafft werden. Charakteristisch ist dabei, dass sich Lieferant und Abnehmer nicht im selben Land befinden. Globale Beschaffung bietet eine Reihe von Vorteilen, aber auch Risiken.

Vorteile der globalen Beschaffung

  • Der größte Vorteil der internationalen Beschaffung ist sicherlich die Reduktion von Kosten: Wer die relativ hohen Lohnkosten in Deutschland vermeiden will, lässt gewisse Vorprodukte günstig im Ausland produzieren.
  • Eine internationalisierte Supply Chain schafft eine bessere Grundlage für Verhandlungen mit inländischen Lieferanten: Günstigere Preise im Ausland sind in Verhandlungen immer ein gewichtiges Argument.
  • Viele Länder sind auf bestimmte Bodenschätze und Materialien spezialisiert. Chile beispielsweise ist der wichtigste Exporteur von Kupfer für die deutsche Industrie, China verfügt über gigantische Vorkommen an Metallen und Seltenen Erden. Die globale Beschaffung eröffnet Zugang zu diesen speziellen Ressourcen.
  • Global Sourcing ermöglicht es, neue Märkte zu erschließen. Mit vielen Ländern hat die EU bereits Freihandelsabkommen abgeschlossen, in deren Zuge Zölle aufgehoben oder gesenkt und Produktstandards vereinheitlicht wurden.

Risiken der internationalen Beschaffung

  • Währungsschwankungen sollten genau im Blick behalten werden. Gewinnt die ausländische Währung an Wert, werden die Exporte teurer und Sie müssen mehr für Ihre Vorprodukte oder Materialien bezahlen.
  • Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind mögliche Kommunikationsprobleme. Wer im Ausland einkauft, sollte im Unternehmen deshalb unbedingt über das entsprechende Sprachwissen verfügen und auch die nationalen oder regionalen kulturellen Besonderheiten der Geschäftspartner kennen (mehr dazu in unserem Business-Knigge).
  • Rechnen Sie bei der globalen Beschaffung mit längeren Reaktionszeiten bei Fehlern. Bereits die erste Probelieferung kann einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Planen Sie ausreichend Zeitpuffer ein.
  • Viele Länder sind politisch und infrastrukturell nicht so stabil wie Deutschland. Unruhen, Massenstreiks, Stromausfälle und auch Naturkatastrophen können Ihre Lieferkette empfindlich treffen.
     
Globale Beschaffung aus Hongkong

Globale Beschaffung: Ein Containerschiff verlässt den Hafen von Hongkong. (Foto: Unsplash.com/kinsey)
 

Globale Beschaffung in sechs Schritten

Die Unternehmensberatung TCW hat eine Global-Sourcing-Methodik entwickelt, die bereits in zahlreichen Unternehmen erfolgreich Anwendung findet. Die Methodik basiert auf sechs wesentlichen Maßnahmen:

1. Analyse der Verbesserungswürdigkeit und Durchführungsplanung

Ermitteln Sie zunächst, ob in Ihrem Unternehmen überhaupt die Notwendigkeit besteht, die Wettbewerbssituation durch eine globale Beschaffung zu verbessern. Sollte dem so sein, erstellen Sie einen Projektplan zur Initialisierung der internationalen Beschaffung. In dieser Phase kommt es insbesondere darauf an, grundlegende Aspekte der Projektplanung im Sinne einer technischen, kaufmännischen und aufgabenmäßigen Strukturierung zu berücksichtigen. Diese Strukturen stellen die internen Grundpfeiler Ihrer Global-Sourcing-Strategie dar, die es durch Soft Facts wie Top-Management-Involvierung, offene Kommunikation und eine rein faktenbasierte Argumentation zu untermauern gilt.

2. Identifizierung vergabefähiger Teilespektren

Der Erfolg von Beschaffungsaktivitäten in Emerging Procurement Markets (globale Beschaffungsmärkte mit nicht oder kaum realisierten Kostenvorteilen) steht und fällt mit der richtigen Auswahl verlagerungsfähiger Faktoren. Ermitteln Sie daher per Bedarfsstrukturanalyse anhand von unternehmensspezifisch festgelegten Kriterien (Standardisierungsgrad, Bauteilkomplexität, Anforderungen an Kommunikation und Logistik) Ihr Versorgungsrisiko und segmentieren Sie das Einkaufsvolumen der betrachteten Bauteile. Die Methodik von TCW sieht dafür beispielsweise eine Visualisierung der Ergebnisse Ihrer Analyse mit Hilfe einer Portfoliomethodik vor, um die für den Einkauf in neuen Beschaffungsmärkten geeigneten Bauteile zu bestimmen. Durch die portfoliogestützte Vorgehensweise erhöhen Sie die Nachvollziehbarkeit getroffener Entscheidungen. Dadurch signalisiert das Management, dass es sich mit den Stärken der eigenen Produkte intensiv auseinandergesetzt hat.

3. Untersuchung attraktiver Märkte

Analysieren Sie im dritten Schritt Beschaffungsmärkte anhand von makro- und mikroökonomischen Daten. Treffen Sie eine Vorauswahl potenzieller Märkte anhand von beschaffungsspezifischen Länderprofilen, die die aktuell vorherrschenden Situationen in den globalen Beschaffungsmärkten charakterisieren und neben allgemeinen Angaben (Infrastruktur, Industrie-Cluster, Kompetenzen) vor allem konkrete Wirtschaftsindikatoren und Faktorkostenpotenziale beinhalten.

Bestimmen Sie anhand der Länderprofile die potenziellen Beschaffungsmärkte für Ihr Unternehmen. Ermitteln Sie die Gesamtkostenvorteile und Leistungsrisiken für die gewählte Teile-Länder-Kombination für eine differenzierte Analyse verbleibender Beschaffungsmärkte. Das Ergebnis dieser Analyse ist eine Beschaffungslandkarte für jedes betrachtete Bauteil, anhand derer die Kostenvorteile für dieses Bauteil gegenüber der bisherigen Bezugsquelle unter Berücksichtigung der jeweiligen Risikoposition veranschaulicht werden. Die Bauteil-Länder-Kombination erhöht für Sie die Transparenz in der konkreten Beschaffungssituation und liefert Ihnen stabile Argumente für die Nutzung internationaler Wertschöpfungsverflechtungen.

4. Identifizierung konkreter Anbieter

Hat sich Ihr Einkauf ein Bild über die besonders erfolgversprechenden Beschaffungsmärkte gemacht, beginnt die systematische Suche nach konkreten Lieferanten in den Zielmärkten. Die Lieferantenauswahl stützt sich auf ein Trichtermodell, das ein stufenweises Herausfiltern der am besten geeigneten Lieferanten ermöglicht. Die Evaluation der Lieferanten erfolgt auf Basis von wirtschaftlichen, technischen und qualitätsbezogenen Kennzahlen, die durch Selbstauskünfte, Bedarfsanfragen und Auditierungen erhoben und anschließend bewertet werden. Setzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Lieferantenstrategien um und hinterlegen Sie sie mit teilespezifischen Roadmaps.

Diese drei Strategien für die globale Beschaffung sind denkbar:
 

  • Identifizierung von Leistungslücken innerhalb bestehender Abnehmer-Lieferantenbeziehungen
  • Optimierung bestehender Wertschöpfungsstrukturen durch Nutzung globaler Lieferanten-Footprints
  • Aufbau von Alternativlieferanten in Emerging Procurement Market

5. Potenzialabschätzung und Lieferantenauswahl

Bevor Sie Ihre eigentliche Vergabeentscheidung treffen, ist unbedingt eine ganzheitliche Bewertung aller Kosten und Risiken erforderlich. Erheben Sie diese Kosten unbedingt detailliert, da beispielsweise Logistikkosten, Zölle und Steuern einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten einer internationalen Abnehmer-Lieferantenbeziehung ausmachen. Das Konzept der Total Cost of Ownership (TCO) unterstützt Ihr Beschaffungsmanagement bei der kostenmäßigen Bewertung von Vergabealternativen.

So können Sie wichtige Kostenfaktoren bei Vergabeentscheidungen bereits vorab einkalkulieren und objektive Entscheidungen über die Weiterführung angestoßener Global-Sourcing-Alternativen treffen. Die TCO-Methodik erhöht zudem Ihr Verständnis für die Ursachen und Wirkzusammenhänge unterschiedlicher Vergabeoptionen bei Ihren Mitarbeitern und trägt zum Abbau von unternehmensinternen Hemmnissen gegenüber globaler Beschaffung bei.

6. Strategisches Management der Geschäftsbeziehung

Ihr strategisches Lieferantenmanagement müssen Sie insbesondere zum Aufbau von Alternativlieferanten in Emerging Procurement Markets an die Anforderungen internationaler Abnehmer-Lieferantenbeziehungen anpassen. Wesentliche Bestandteile sind die kontinuierliche Überwachung der Erfolgswirksamkeit, die laufende Lieferantenbewertung und Kommunikation der jeweiligen Funktionen sowie eine strategische Entwicklung des Lieferanten beziehungsweise der Geschäftsbeziehung zur nachhaltigen Optimierung der Wertschöpfungskette.

Fazit

Aus der globalen Beschaffung können sich wertvolle Wettbewerbsvorteile für ein Unternehmen ergeben. Doch die internationale Beschaffung birgt auch Risiken. Die systematische Vorbereitung einer differenzierten Global-Sourcing-Strategie ist daher unverzichtbar. Nicht zuletzt, um Mitarbeitern, die gegenüber Veränderungen in der bestehenden Wertschöpfungskette skeptisch eingestellt sind, klar und deutlich die Vorteile einer globalen Beschaffung zu verdeutlichen.