Welche Faktoren fließen in den Materialpreis ein?

Der Materialpreis umfasst unter anderem die Kosten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Ersatzteile und fremdbezogene Zubehörteile. Als Maßgröße der Materialpreise kommen neben den Stückzahlen auch das Gewicht sowie Flächen-, Längen- oder Raummaße infrage.

Der Materialpreis sowie die Kennzahl Materialpreisveränderung (MPV) spielen im Einkaufscontrolling eine wichtige Rolle, da in Industriebetrieben der Anteil an zugekauften Werkstoffen oder Baugruppen oft über 50 Prozent liegt. Alternativ wird diese Kennzahl auch als Materialkostenveränderung (MKV) bezeichnet. Sie zeigt, wie sich die Materialkosten im Vergleich zum Vorjahr verändert haben. Wegen des hohen Anteils an sogenannten genummerten Materialien (die eindeutig identifiziert und gegebenenfalls klassifiziert werden können) und wiederkehrender Beschaffungsvorgänge lässt sich diese wichtige Kennzahl sehr gut automatisiert in einem Einkaufsinformationssystem ermitteln.

Die Materialkosten können auf verschiedenen Ebenen erhoben werden, beispielsweise bezogen auf die jeweiligen Teile, den Lieferanten oder die Warengruppe.

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Eine weitere Schwäche der Kennzahl: Sie zeigt nicht explizit die Verhandlungserfolge des Einkaufs an. 

MPV hat nur eine begrenzte Aussagekraft

Zu beachten sind allerdings auch Einflüsse auf den Materialpreis, die sich aus Währungsveränderungen, Lieferantenwechsel und Nebenkosten ergeben können. Diese Faktoren fließen nicht die MPV ein. Eine weitere Schwäche der Kennzahl: Sie zeigt nicht explizit die Verhandlungserfolge des Einkaufs an. Wenn er eine Erhöhung der Preise mindert oder gar abwendet, taucht das in der MPV nicht auf. Damit wird die eigentliche Leistung der Abteilung nicht erfasst, sondern kehrt sich schlimmstenfalls ins Gegenteil, da von der Unternehmensführung nur ein Preisanstieg erkannt wird.

Außerdem greift die MPV beim indirekten Einkauf oft ins Leere. Die Beschaffung von nicht nummeriertem Material, das nicht in die Erzeugnisse eingeht, macht je nach Unternehmen immerhin 15 bis 30 Prozent des Einkaufs aus. Ebenso verhält es sich bei außerplanmäßigen, nicht wiederkehrenden Materialeinkäufen. Hier erscheint der Dienstleistungsbeitrag des Einkaufs nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens.

Um seine Erfolge dennoch darstellen zu können, sollte der Einkauf also versuchen, den Dienstleistungsbeitrag für das Management auf anderen Wegen sichtbar zu machen. So kann als Referenzpunkt zur Messung der Einsparung auch ein vorgegebener Budgetpreis oder ein in der Vergangenheit verhandelter Preis herangezogen werden.

Preisentwicklungen simulieren und voraussagen

Die Berechnung der MPV bringt dem strategischen Einkäufer die Erkenntnis, welche Einsparungen im Vergleich zu vergangenen Zeiträumen erzielt wurden. Sie ist damit eine eher rückwärts gerichtete Kennzahl. Noch viel hilfreicher wäre es, Ursachen und Treiber für die Veränderung der Kennzahl zu analysieren und dadurch Vorhersagen für die Zukunft treffen zu können. Moderne Software leistet solche Prognosen mittels Machine Learning und anderer KI-Verfahren.

Methoden der Predictive Analytics helfen beispielsweise dabei, Risiken durch Preis- und Wechselkursänderungen abzufedern und besser managen zu können. Prognostische Analysen verbessern die Planungsgenauigkeit der Beschaffungsabteilung.